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9 (1828)
Entstehung
Seite
227
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Capitel 5. 227

jenige ist eine Freyheit, zu unterlassen. Und sind weit unterschied-lich von einander diese zwo Freyheiten, wie Esaias bezeuget, .55,

9, da er spricht: Eben, als weit erhöhet sind die Himmel vonder Erden, also sind auch erhöbet meine Wege von euren Wegen.

So verstehet nun dieser fleischliche Gedancke die Freyheit derGerechtigkeit für nichts anders, denn für eine häßliche Dienstbar-kkit; denn er hasset das Gesetz, und ist seinen Wercken feind; der-halben er auch keine andere Freyheit ermisset und bedencket, dennalleine, daß das Gesetz werde aufgehaben und weggenommen, obgleichwol der Haß gegen demselbigen immerzu bleibet.

So wird nun das Wörtlein: Fleisch, hier genommen inseiner eigenen Bedeutniß für die Sünden und Laster, so in demFleisch sind, oder für das Fleisch, in welchem Laster seyn, durchwelche wir gereitzet und verursachet werden, allein, daß wir im-merzu suchen unsern eigenen Nutzen und Förderung, und desNächsten gantz und gar vergessen. Und das ist wider die Liebe,und wer die Freyheit also brauchet, der gibt dem Fleische Raumund Ursache, Böses zu thun: daß also das Fleisch, so es jetzt mitFreyheit ist begäbet, Ursache habe und Fug, seinen Lüsten undBegierden auszuwarten, mit aller Verachtung des Nächsten.14. Denn alle Gebote werden in einem Wort erfüllet, in dem:Habe deinen Nächsten lieb, als dich selbst.

Das ist genommen aus 3. Mos. 19, 18, und Röm. 13, 9,

10. Erfüllet, soll alda verstanden werden für: verfasset oder ineiner Summa beschlossen werden, nach dem Griechischen Text.

,' -z Das sage ich darum, daß nicht einer dafür halte, als lehre

Hß,, der Apostel, daß durch das neue Gesetz also erfüllet würde dasalte, daß dasselbige sey ein geistlicher Verstand und geistlicheWorte, so doch die einige Gnade ist eine Erfüllung des Gesetzes,und die Worte erfüllen nichts, sondern die Dinge erfüllen dieWorte, und die Kräfte kräftigen die Rede; sonst ist je das Ge-setz, das den Nächsten gebeut lieb zu haben, wiewol es fast geist-lich ist, 3. Mos. 19, 18, geschrieben. So werden nun alle Ge-setze in dem Wort verfasset, aber durch die Gnade erfüllet. Der-balben sind wir beruffen zur Freyheit, und vollbringen alle Ge-setze, wenn es dem Nächsten nützlich und vonnöthcn ist, demallein dienen wir aus Liebe.

Daher ist oben recht gesagt, daß die Dienstbarkeit des Gei-stes und Freyheit der Sünden eben eines sind, eben, als die. - ^ Dienstbarkeit der Sünden und des Gesetzes eines ist mit der"l « Freyheit der Gerechtigkeit, oder von der Gerechtigkeit und Geiste.

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