Capitel S.
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Was ist aber das: Wir warten der Hoffnung der Gerech-tigkeit? Wer hat doch je gewartet der Hoffnung? Etliche neh-men da die Hoffnung für das Ding, das gehoffet wird, als ge-schiehet im 3. Buch Seneca, und daß der Glaube wird genom-men für das Ding, das geglaubct wird, oder auch für die Wortedes Glaubens, wie bey dem Athanasio: Ilaec est lilles catbo-lies etc. Aber ich böre nicht gerne, wenn man den Glaubenund die Hoffnung also nimmet. Denn zu gleicher Weise, alsman recht redet: Ich lebe das Leben, also auch beucht mich, daßman auch nicht unfüglich möge sprechen: Ich hoffe die Hoffnung.Doch will ich ob dem nicht sehr hadern, es mag ein jeder nach-folgen, wem er will, oder wie er weiß. Ich weiß das, daß aucheine Weise ist der H. Schrift Zunge, daß das gemeiniglich zuge-eignet wird der Hoffnung und dem Glauben, was durch denGlauben und die Hoffnung wird berühret. Also werden auchdie Götter wahrhaftig, gerecht, heilig genannt, welche doch alleinGottes sind, und aus der Theilnehmung und Anhang seyn siesolche. Also auch die Hoffnung, sintemal sie den künftigen Din-gen anhanget, wird sie eben aus dem, das densebigen Dingenanhanget, eine Hoffnung oder gehoffte Dinge selbst genannt,nicht, wie sie meynen, aus blosser Freyheit des Wörtleins, dasunrecht gebrauchet wäre, sondern aus billiger Ursache, wie sie ihnendenn auch träumen lassen, das etliche ohne die Anhangung dergöttlichen Gerechtigkeit gerecht sind, so doch der Glaube darum istdie Gerechtigkeit Gottes, daß er der göttlichen Gerechtigkeit undWahrheit anhanget, und damit einhellig ist, welches der Gnadeneigen ist, und nicht der Natur.
6. Denn in Christo Jesu gilt weder Beschneidung noch Vor-haut etwas.
Aus dem wird klarlich erwiesen, daß die Beschneidung freysey, welches doch so mit grossem Sturm und Brause St. Hiero-nymus mit seinen Anhängern verneinet und versichert. Denn sodie Beschneidung nicht frey wäre, so müßte die Vorhaut vonnö-then seyn. Aber die Vorhaut, spricht Paulus, gilt nichts, ausdem , so muß sie auq unnöthig seyn. Herwiederum, so ist auchdie Vorhaut frey; denn wo sie nicht frey wäre, so müßte die Be-schneidung vonnöthen seyn. Die Beschneidung aber, spricht Pau-lus, gilt nichts, so ist sie auch unnöthig.
Sondern der Glaube, der durch die Liebe thätig ist.
Das ist eine Erklärung, die da erleuchtet und einen Ver-stand gibt den Unverständigen und Albern, damit wir zuletzt auch