Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
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220
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220 Capitel 5.

verstehen mögen, von welchem Glauben Paulus doch redet sooft, nemlich von dem wahren und reinen, und wie er 1. Tim.1, S, sagt, von dem ungefärbten oder ungedichten Glauben. Dasist aber ein gedichter oder gefärbter Glaube, welchen unfere Theo-logi den erlangten Glauben nennen, und der, ob er gleich einge-gossen ist, so ist er doch ohne Liebe.

Ich will aber alhier nicht handeln die unnützen Fragen undlahmen Opinionen decerjenigen, die da gefetzt haben, daß demeingegossenen Glauben vonnöthen sey ein erlangeter Glaube;eben als dürste der Heilige Geist unserer Hülfe, und nicht viel- >mehr wir seiner in allen Dingen. Denn, daß sie ihnen lassenträumen, daß, wenn ein Kind, erstlich getau/t, unter den Tir-ckcn und Ungläubigen würde erzogen, ohne Christliche Lehre undUnterweisung könnte dasselbige nicht wissen dasjenige, was einemChristenmenschen zu wissen noth wäre: es sind Lügen und Pos-sen; gleich als sähen und erführen wir nicht mit täglicher Erfah-rung, was doch die Christliche Lehre an denen Gutes wircket,oder ihnen Nutzen bringet, welche nicht auch innwendig von Gottdurch den Heiligen Geist gezogen werden, auch herwiederum, wiegrosse Dinge doch geschehen durch die, so äusserlich nicht gelehretwerden so viel und so grosse Dinge, als die Theologi lehren undgelehret werden. Es ist ein lebendig Ding, ja das Leben unddie That selbst, wenn der Geist lehret. Er weiß und redet undwircket alle Dinge in allen, welchen Gott lehret, nicht anders,denn wenn er den Menschen schaffet von neuen. Denn wer leh-ret den groben Saamen eines Mannes leben, sehen, fühlen, re-den, wircken, und die gantze Welt in allen seinen Wercken grü-nen und kraftig seyn? Es sind Sophistische Fabeln, die allzunärrisch von Gott halten und gedencken.

Darum, wer das Wort Christi wahrhaftig höret, und mitvestem Glauben daran hanget, der wird alsbald auch angezogenmit dem Geiste der Liebe, wie er denn auch oben gesagt 3, 2:Habt ihr den Geist empfangen aus dem Hören des Glaubens,oder aus den Wercken? Denn es kann nicht seyn, daß, wenndu Christum von Hertzen hörest, nicht ihn auch alsbald lieb habensolltest, nemlich als den, der so grosse Dinge für dich gethan underlitten hat. Magst du den lieb haben, der dir 20 Gülden schen-cket, oder dich ehret durch eine andere Dienstbarkeit und Freund-schaft: wie solltest du nicht vielmehr den lieben, der nicht Gold,noch Silber, sondern sich selbst für dich gegeben hat, so viel Wun-den für dich empfangen, schwitzet und vergiesset sein Blur für