Capitel Z. 215
cken, sondern aus freyer und umsonst gegebener Müdigkeit Christi.Von welcher Müdigkeit, so du abweichest, bist du undanckbar ge-gen Christum, und bist in dir selbst, in dem, daß du dich selbstwillst rechtfertigen ohne Christum und von dem Gesetz erledigenund frey machen.
Mercke auch wohl aus den Nachdruck der Worte: Laßt euchnicht wiederum in das knechtische Joch sangen; das ist, laßt euchnicht unter die allerschwereste und untrüglichste Bürden des Ge-setzes verbinden, unter welchem ihr doch nichts anders mögetseyn, denn Knechte und Sünder. Laßt euch nicht Verschlüssen,besitzen, verstricken, vcrknüpffen, verwirren mit dem Joch desGesetzes. Es ist viel weniger, gehalten werden; in der Dicnst-barkeit aber gehalten werden, das ist schwer; aber das ist amschwersten, verknüpfst werden mit dem knechtischen Joch, zuvor-aus nach der empfangenen Freyheit.
Bestehet, spricht er, und verhoffet mit dem viel mehr vonihnen, denn er findet, nemlich, als waren sie noch nicht gefallen.Sonst hatte er gesagt: Stehet auf. Nun aber redet er sanfter,und spricht: Stehet. Das thut er darum, daß er zugleich auchlebre, daß niemand einen andern Irrigen, oder der gestrauchelthatte, solle strafen, also, daß er verzweifeln wollte an ihm, erwerde ihn nimmer auf den rechten.Weg bringen; ja, mit einergrossen Anzeigung einer guten Hoffnung soll er strafen. Welchesaber unsere Banner und Bermalcdeyer, die nichts, denn blitzenund donnern und bald dem Teufel geben können, nicht thun,welchen genug ist allein an dem, daß sie nur ihre Gewalt er-schrecklich genug machen.
2. Sehet, ich, Paulus, sage euch: Wo ihr euch beschneidenlasset, ist euch Christus kein nütze.
Nachdem der Apostel mit viel und fast starcken Gründenund Argumenten die Gerechtigkeit des Gesetzes hat verleget undvollkommene Ursache des Glaubens in Christo angezeiget, so ver-mahnet er nun nicht mit wenigerm Fleiß, er schrecket, flehet,dräuet, verheisset, und begeusset, was er jetzt zepflantzet hat, undversuchet und mischet alle Dinge nach der apostolischen Jnbrün-stigkeit und Eifer, daß eben lustig zu sehen ein grosser Spiegelder apostolischen Sorgfältigkeit.
Zum ersten erschrecket er sie, daß Christus nichts nütze wirdseyn , wo sie sich beschneiden lassen. Und ich, Paulus, sagt er,verkündige euch, zieht auch seinen Namen an, daß ja die Wortedesto grössere Macht und Ansehen hatten. Abermal zeuge ich