1W Leichenpredigt über Luc. 7/ 1t — 16.
da sie ihr Lebenlang alle Tage um gebeten und gesagt haben: Zu-komme dein Reich, erlöse uns von allem Uebel. Solches kannnicht geschehen, es sey denn, daß wir im Namen Jesu Christiunsern Abschied von dieser Welt nehmen; da werden wir rechtlos von allem Uebel, und wird endlich folgen, daß wir mit allenChristen zum ewigen Reich durch Christum auferwecket werden.Da werden wir wieder zusammen kommen, und die finden, dieuns auf Erden lieb find gewesen. Ja, wir werden mit den lie-ben Engeln und den heiligen Patriarchen, Propheten und Apo-steln und allen Auserwahlten ein Hausgesinde werden, und alleFreude an Gott haben, und in solcher Freude in Ewigkeit ihmdancken und ihn loben. Nun bedencke, ob wir nicht arme, elendeLeute sind, daß wir uns so hefftig lassen bekümmern, wenn irgendeinem sein Gemahl, sein Kind, Bruder, Schwester oder sonstein guter, vertrauter Freund dahin fallt? Wenn es viel ist,so hatte er noch zehn oder zwanzig Jahr bey dir mögen leben.Solche kleine Zeit lassest du dich so hoch bekümmern, und willtdich dagegen das nicht trösten lassen, noch erfreuen, daß du anstatt so einer kurtzen Zeit in Ewigkeit bey ihm wohnen und blei-ben sollt, in aller Freude und Wonne, da hingegen hier auf Er-den nichts kann seyn, denn Unruhe, Traurigkeit und Leid, wiewir taglich, sonderlich im Haushalten, unter den verwandtestenund liebsten Freunden erfahren, da jetzt das, jetzt jenes fehlet,jetzt das kranck wird, ein anders sonst einen Schaden empfahet.Solches sind die Verstorbenen alles überhaben, und liegen inihrem Grabe, als in einem sanften Bette, süssen und leisenSchlafe, und warten, wenn unser Herr Christus kommen, andas Bette klopssen und ihnen hervor ruffen wird, daß sie mitallen Gottseligen, mit Gott und seinen lieben Engeln in Ewig-keit leben sollen. Wer will doch um solche Leute trauren, da wirFreude über haben und Gott von Hertzen dafür sollten dancken,daß sie alfonahe zu ihrer Hoffnung kommen sind, da wir, dienoch hie auf Erden übrig bleiben, so weit zu haben, und so vielHinderniß und Gefahr müssen ausstehen, ehe wir dazu kommen.Das lasset uns lernen; denn es will sich nicht leiden, daß wirChristen, die wir solche Hoffnung gewiß haben, mit dieser Witt-frauen im Evangelio uns so hefftig betrüben, und so gar er-bärmlich und so bitterlich sehr weinen wollten. Sie denckt wohl,es sey mit ihrem Sohn aus. Das macht, sie weiß nicht, wasvor ein trefflicher Gast zu ihr kommt, dem es nur um ein Wortzu thun ist, daß ihr Sohn wieder lebend, frisch und gesund wird.