Leichenpredigt über Luc. 7, 11 — 16- 99
wieder zustellen. Also weisen uns die heiligen Sacramente, nem-lich die Taufe und das Abendmahl, auf solche Hoffnung, daßwir gewiß seyn und gar nichts daran zweifeln sollen. Ja, dasgantze Predigtamt ist auch dahin gestifftet, daß solche Hoffnungin uns geübet, von Tag zu Tag je stärcker und gewisser werde.Denn warum vermahnet uns Gottes Wort, daß wir an denHerrn Christum glauben, und unser Hertz und Vertrauen aufsein Leiden und Sterben setzen sollen? Warum treibet uns Got-tes Wort immerdar, daß wir Liebe beweisen, vor Aergerniß unshüten, wider das Fleisch und die Sünde kampffen und jedermannein gut Exempel vortragen sollen? Geschieht es nicht alles darum,daß wir an dieser Hoffnung mögen veste halten, sintemal, wokein Glaube, keine Liebe, sondern Aergerniß und sündlich Lebenist, da muß man sich Gottes Ungnade und Strafe befahren.Sonderlich hat die Schrift eine sehr feine Weise, vom Tode undgestorbenen Leuten zu reden. Denn wo wir, unserer SpracheArt nach, sagen- der ist auch hin, der ist auch gestorben, der istlang verweset, spricht die Schrift (doch allein von den Christen):der ist entschlossen; heißt also den Tod nicht Tod, sondern einenSchlaf, damit anzuzeigen, obgleich die Christen ebensowohl müs-sen sterben, als die Unchristen, daß doch ihr Tod ein süsser, lieb-licher Schlaf ist, davon sie sollen wieder auferwecket werden. Dennso unmöglich es ist, daß ein gesunder schlafender Mensch nichtsoll wieder auferwachen, also unmöglich ists auch, daß ein Christkönnte immer im Tode bleiben, weil er an Christum glaubet,ihn bekennet, seiner Hülse begehret, und also von dieser Weltabgeschieden ist. Christus wird ihn durch sein Wort, wie derWittwen Sohn, am Jüngsten Tag gewißlich hervorruffen, undihn mit sich auf Erden zum Gericht über Teufel und alle Gottlo-sen führen und also ewiglich erhalten. Weil nun dem allen alsoist, so schleuß nun, was wir thun, und wie wir uns über dieVerstorbenen sollen halten. Sollen wir auch uns bekümmernund weinen, wie wir sonst thun, wenn einem guten Freund einsonderlich Unglück begegnet? Item, sollen wir auch dafür halten,wir haben sie gar verloren, wir werden nicht mehr zusammenkommen? Beyleibe nicht. Denn, wie wollte sich solches mit derHoffnung reimen, davon wir jetzt gehöret haben? Da sie uns inso viel Wege vorgetragen, daß wir derselben gewiß versichert sind,daß den Christen nichts Arges widerfahret, wenn sie sterben.Darum sollen wir ohn allen Zweifel glauben, wenn sie entschla-fen und von hinnen scheiden, ist denn eben ihr seliges Stündelein,
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