Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
Seite
101
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Leichenpredigt über Luc. 7, 11, 16, 101

So sie solches gewußt, oder hoffen hatte können, würden dieThränen wohl seyn dahinten blieben. Wir aber wissen es, undist uns diese Hoffnung, wie ihr gehöret, so in viel Wege vorge-stellt und gewiß gemacht. Derhalben es nicht will leiden, daßwir um deren willen, die in Christo entschlafen sind, sollten sobitterlich weinen, und uns so hefftig bekümmern, wie die Hey-den, die keine Hoffnung haben. Denn es ist gewiß, daß die, soin Christo entschlafen, nicht im Tode bleiben, sondern wieder auf-erstehen werden zum ewigen Leben. Daselbst werden wir, sofern wir veste am Glauben halten, zu ihnen kommen und alsoewig mit ihnen leben, ja, nicht mit ihnen allein, sondern mit denlieben Engeln, mit den heiligen Patriarchen, Propheten, Apostelnund allen Gottes Heiligen. Wenn solche Hoffnung in uns vestund gewiß wäre, meynest du nicht, wir würden aller Kümmer-niß vergessen und von Hertzen uns auch darnach sehnen, daß derliebe Gott bald kommen und uns von diesem Jammerthal abfor-dern, und zu solcher herrlichen Gesellschaft bringen wollte? AberFleisch und Blut behalt seine Art, jenes ewige Gut siehet esnicht; darum lassen wir es uns nicht zu Hertzen gehen. Es ver-langet uns nicht darnach, darum stecken wir mit Handen undFüssen im Zeitlichen; das geliebet uns, deß können wir nicht ver-gessen. Ist demnach wohl vonnöthen, daß man mit dem Wortund der Predigt immerdar anhalte, und oft und viel anmahne,daß wir dieser Hoffnung nicht vergessen, sondern je langer wirleben, jemehr und vester sie in unsere Hertzen bilden, und nichtallein um unsere lieben Freunde uns nicht bekümmern, welchennichts Böses begegnet, wenn sie sterben, sondern auch selbstgern und willig des Todes begehren, auf daß wir auch zu solcherGnade und Seligkeit kommen. Das verleihe uns Gott allen,um Jesu Christi, seines lieben Sohnes willen. Amen.