Teichenpredigt über Luc. 7, 11 — 16. 95
ser Mittler sey, durch den wir Vergebung und das ewige Lebenhaben. Zu dem soll noch ein Stück kommen, daß man rechteFrucht oder Wercke der Busse thue, daß jedermann sich befleissedes Gehorsams gegen Gott und in seinem Beruffe bleibe. Sol-ches siehet man am heiligen Paulo auch, daß er es von Hertzengern will thun und darum fraget und sagt; Herr, was willst du,das ich thun soll? Auf diese Weise sollen wir uns lernen auchrecht schicken, unsere Sünde bekennen und davon ablassen, anChristum glauben und uns seines Leidens trösten, und endlichzum rechten Gehorsam gegen Gott ergeben, auf daß wir nichtwieder durch Ungehorsam von der grossen Gnade abfallen undwieder in den Zorn Gottes, durch unbußfertiges Leben, gerathen.Das heißt dem Exempel Pauli recht gefolget, welches uns zumTrost und zur Lehre ist vorgeschrieben. Mögen derhalben Gottdancken, daß er uns so einen tresslichen Meister gegeben hat, undbitten, daß er uns in seiner Lehre erhalten und auch also zuGnaden annehmen und selig machen wolle. Das verleihe unsunser lieber Herr und Seligmacher, Christus Jesus. Amen.
Leichenpredigt über Lucas 7,. 11 — ig.
Hoffnung und Trost der Christen bey dem Absterben derIhrigen.
^s sagt der heilige Apostel Paulus in seiner Epistel an dieRömer 15, 4: daß die heilige Schrift uns zur Lehre diene, aufdaß wir durch Geduld und Trost der Schrift Hoffnung haben.Weil es denn natürlich ist, daß wir uns über den verstorbenenlieben Freunden bekümmern, sie betrauern, beklagen und bewei-nen- sollen wir in solchem Fall uns an die heilige Schrift hallen,und wider solch Leid und Kümmerniß daraus einen gewissen undrechten Trost suchen. Denn ohne dieselbe mögen wir wol Trost aufallerley Weise suchen, wir werden aber keinen beständigen finden,der das Hertz zufrieden stellen und dem Unmuth recht wehrenkonnte. Allein die heilige Schrift vermag solches zu thun. Ursach,sie ist des Heiligen Geistes Buch, welcher der einige und rechte