92 Predigt über Apostelgesch. 8, 1 — 9.
sere Sünde uns vergeben und uns selig wolle machen um Christiwillen. Denn, wo er mit Sündern nicht Geduld tragen undSünde nicht vergeben wollte, wo hatte Paulus müssen bleiben,oder, was hatte er verdienet, der nicht mit kleinen geringen Sün-den (ich muß sie doch so nennen, wiewol es alles Todsündensind,) der andern Tafel, sondern mit den höchsten und größtender ersten Tafel ist beladen gewest? Aber da zeugt Paulus selbstihm sey Gnade widerfahren, daß Gott an ihm ein Exempel sehenliesse, auf daß die armen Sünder nicht verzweifeln, sondern auchan Christum glauben und sich seiner Güte trösten lernen. Dennmit unsern Wercken ists verloren, selbst werden wir uns nim-mermehr können helfen. Diß aber ist die einige Hülfe, daß wiruns an Christum halten und durch ihn Vergebung der Sündenglauben. Solcher Trost soll nun allen denen vorleuchten, so mitSünden beladen und ein böses Gewissen haben. Neben solchemTrost ist auch hier eine tressliche Lehre, wie die Sünder sich schi-cken sollen, wenn sie zu Gnaden wollen kommen. Denn es istein feines Exempel einer rechten Christlichen Busse. Das ist daserste, daß man in Sünden nicht fortfahre, sondern aufhöre undlasse sie ihm von Hcrtzen leid seyn. Wie man an Paulo siehet;so bald er mit dem Licht troffen wird, da hebt er an zu zitternund zagen, und wollte, er wäre nie wider die Christen ausgezo-gen. Das heißt eine rechte Busse, da das Hertz anders wird,und ein Mißfallen folget gegen die Sünde und dem Unrecht, daman vor Gefallen an hat gehabt. Derhalben, wer zu GottesGnaden kommen und von Sünden begehret ledig zu werden, derhebe hier an, erkenne seine Sünde, leugne sie nicht, beschöneoder entschuldige sie nicht, sondern habe ein rechtes hertzlichesMißfallen darob, das will Gott haben; oder, wo man in Sün-den, ohne Busse, will fortfahren, muß man der Strafe seinesZorns gewarten. Aber durch solche Reu und Leid wird manvon der Sünde noch nicht ledig, sondern es gehört dazu, daßman dem Evangelio glaubt, und sich deß tröste, das uns imEvangelio und in der Taufe zugesagt wird. Denn Vergebungder Sünde stehet allein aus Christo. Also sagt der heilige Pau-lus selbst, Apostg. 26, 19, er sey der himmlischen Erscheinungnicht ungläubig gewesen, und habe darnach auch unter Jüdenund Heyden geprediget, daß sie Busse thun, sich zu Gott bekeh-ren und rechtschaffene Wercke der Busse thun sollen. Busse thunHeisset er, vom Bösen ablassen, Reu und Leid darüber haben.Zu Gott sich bekehren Heisset er, an Christum glauben, daß er un-