44 Predigt am breyzehuten Sonntage nach Trinitatis-
wer solches will sagen oder lehren, daß man müsse durchs Gesetz lgerecht werden, das ist, Gottes Segen erlangen, der thut nicht landers, denn daß er Gott in sein Testament greifet, und seinenletzten Willen zerreisset und zu nichte machet. Das ist ein GrundSt. Pauli, aus dem Wort Verheissung oder Testament, der dawohl zu verstehen ist; denn niemand so grob ist, der nicht könneunterscheiden zwischen den zweyen, Gesetz oder Gebot, und Ver-heissung.
Zum andern, gründet St. Paulus auch auf diß Wort!Abraham hat es Gott geschenket w. Da ist auch leicht einem je-den, der da Vernunft hat, zu richten, daß viel ein ander Dingist, etwas geschencket haben, und etwas verdienen; denn, wasverdienet ist, das wird aus Pflicht und Schuld gegeben, als einLohn, und hat sich der, so es empfahet, zu rühmen, (mehr, dennder es gibt) und sich auf sein Recht zu beruffen; was aber um-sonst, und (wie St. Paulus hier redet,) frey oder aus Gnadengeschencket wird, da ist kein Ruhm des Verdiensts noch Rechts,den dem, der es empfahet; sondern er muß allein die Güte undMildigkeit rühmen, deß, von dem er solch Geschenck empfangenhat w. Also schleußt auch nun hier St. Paulus: Gott hat Abra-ham den Segen und das Erbe durch die Verheissung frey ge-schencket; darum hat crs je nicht durch Wercke verdienet, nochihm belohnet, viel weniger seinen Kindern.
Das ist je deutlich genug, und kann es auch ein Kind ver-stehen, daß die zwey nicht zugleich bestehen, sondern müssen ge-schieden werden, was durch Wercke verdienet, als ein Lohn, undaus Gnaden und lauterm freyen Willen umsonst verheissen odergeschencket wird. Und hat Gott hiemit das Maul gestopfet dergantzen Welt, und zuvor kommen, daß sie nichts zu rühmenhat, als habe sie um des Gesetzes willen Gottes Gnade empfan-gen, weil er dieselbe vor dem Gesetz und ihrem Verdienst umsonstverheissen und gegeben hat; denn er ja mit seinem eigenen Volck,Abraham und seinen Nachkommen, also gehandelt, daß er erstlichverheissen, ihn und sein gantzes Geschlecht zu segnen, und nichtsmeldet von keinem Gesetz, Werck oder Lohn, sondern stellcts allesallein auf den zukünftigen Samen.
Dieser Verheissung haben sie gelebt, und sind darauf auchgestorben, er selbst, Abraham, und seine Kindeskinder, bis übervierhundert und dreißig Jahr; da sahet er erst an und gibt dasGesetz, ordnet einen ausserlichen Gottesdienst, Priesterthum :c.wie sie leben und sich regieren sollen, so sie nun ein eigen Volck