42 Predigt am dreyzehnten Sonntage nach Tnnitatis.
Hauptpuncte saßen,) zwey Stück: Das erste sagt von demArtickel, daß wir gerecht werden allein durch den Glauben, undbewahret das, über viel Ursachen und Beweisung, auch daher,daß er anzeiget und spricht:
Dabey sollt ihr ja mercken und greifen, daß niemand (wederdie Jüden, noch viel weniger andere Heyden,) durch Werck oderGesetz gerecht wird. Denn das Gesetz ist erst vierhundert unddreyßig Jahre hernach gegeben, nachdem Abraham (der doch sollteder Vater seyn des gantzen Volks Gottes,) Christus verheissenund zugesagt war, in demselben alle Menschen zu segnen, undschon von ihm gezeuget war, daß er durch den Glauben vor Gottgerecht gesprochen. Und wie er ist gerecht worden, und ihm derSegen zugesprochen, um seinen Glauben; also sind gewißlichseine Kinder und Nachkommen auch gerecht worden, und habenden verheissenen Segen erlanget durch denselben Glauben an die-sen Samen, um welches willen der Segen aller Welt verheissenwar. Denn Gott hat allezeit also gehandelt mit den Jüden undaller Welt, daß er ihnen hat zugesagt seine Gnade und Verge-bung der Sünden, (das heißt vor Gott gesegnet werden,) danoch kein Gesetz (dadurch sie fürgegeben, gerecht zu werden,) ge-geben, noch Moses geboren war.
Darum kann je das Gesetz, welches diesem Volck gegebenward, erst über so lange Zeit, nicht dazu gegeben seyn worden,daß sie sollten dadurch gerecht werden; sonst hatte ers wol zuvorgegeben; oder, so es zur Gerechtigkeit noth wäre, waren Abra-ham selbst und seine Kinder bis auf die Zeit nicht gerecht gespro-chen w. Ja, Gott hat es eben darum also geordnet, daß er dasGesetz so lang hernach gegeben hat, welches er wol hätte längstzuvor können geben den Vätern; als wollte er also mit der Thatzeigen und lehren, daß es nicht dazu gegeben würde, daß GottesGnade und Segen daher käme; sondern aus der lautern Barm-hertzigkeit Gottes, welche so lange zuvor verheissen und auch ge-geben war, Abraham und andern, die gläubig gewesen waren.
So nun Abraham und die Väter nicht haben mögen durchWercke gerecht werden, auch nicht worden sind; so sind eben sowenig ihre Kinder und Nachkommen durchs Gesetz und Werckegerecht worden; sondern nicht anders, denn durch den Glaubenund Verheissung, Abraham und seinem Samen gegeben, darinnnicht allein die Jüden, sondern alle Henden sollten (durch glei-chen Glauben) gesegnet werden.
Dieses treibet und gründet nun St. Paulus weiter eben