Predigt am dreyzehntcn Sonntage nach Trinitatis. 41
dem ungewissen angstigen Zweifel und Gedancken: Ach! wer weiß,was Gott im Himmel über mich will urtheilen? Nein, alsosoll ein Christ nicht sagen; denn das Urtheil über meine Werckeund Leben ist schon langst gesprochen durch das Gesetz, da mußich mich selbst schuldig und verdammt bekennen; aber ich lebe desgnadigen Urtheils, das Gott, über und wider des Gesetzes Ur-theil, vom Himmel gegeben hat: Wer an den Sohn Gottesglaubet, der hat das ewige Leben. Joh. 3, 36.
Wo nun solcher Trost des Evangelii ist, und das Hertz ausdem Tod und Angst der Hollen reisset, da folget alsdenn auchweiter des Geistes Kraft und Werck, daß nun auch Gottes Ge-bot in des Menschen Hertzen ansähet zu leben; denn er nun Lustund Liebe dazu kcigt, und dieselben beginnet zu erfüllen, und alsohier das ewige Leben ansähet, bis es in jenem Leben vollendetwird, und ewiglich bleibet.
Also siehest du nun, wie viel herrlicher und besser das Amtoder Predigt der Apostel, des Neuen Testaments odes des Evan-gelii ist, weder aller andern, die nichts anders, denn von grossenWercken und Heiligkeit der Menschen predigen, ohne Christum,Und dieses soll uns vermahnen und reitzen, die Predigt des Evan-gelii gern zu hören, und Gott dafür frölich zu dancken, dieweilwir hören, daß es ist eine so kräftige Predigt, daß sie den Men-schen das Leben bringet, und ewiglich aus dem Tode hilft, unddie Verheissung hat, daß gewißlich dabey ist, und dadurch gege-ben wird der Heilige Geist ins Hertz, denen, so daran glauben.
Predigt am dreyzehnten Sonntage nach Trinitatis.Galat. 3, 15 — 22.
von der wahren Gerechtigkeit.
^s gehet die Summa dieser Epistel dahin, daß St. Paulusallhier, gerne wollte die Christen gewaltiglich unterrichten, wiesie sollen Unterscheid fassen zwischen der Gerechtigkeit des Glau-bens, und der Gerechtigkeit der Wercke oder des Gesetzes. Undtreibet der Apostel in diesem Text (auf daß wir ein wenig die