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Predigt am zwölften Sonntage nach Trinitatis.
Predigt ist und thut, wenn sie auch am besten ist, da man alleindas Gesetz hat, und Christus nicht geprediget noch erkannt wird.Da sagen und rühmen sie wol herrlich: Wenn du also lebest,dich befleißigest, die Gebote zu halten, und viel guter Wercke thust,so wirst du selig; aber daß solches nichts sey, denn vergeblicheWorte, ja, dazu eine schädliche Lehre, das findet man hernach,wenn man nichts denn solche Lehre gehöret, und sich darauf ver-lassen hat, da kein Trost noch Leben, sondern Zweifel, Angst, jaTod und Verderben folget.
Denn wenn der Mensch siehet, daß er Gottes Gebot nichtgehalten hat, und dasselbe doch immer fort und fort auf ihntreibet, und solche Schuld von ihm fordert, halt ihm nichts an-ders für, denn schrecklichen Gottes Zorn und ewige Verdamm-niß, so muß er dahin sincken, und verzweifeln in seinen Sünden;das muß folgen, wenn man nichts anders, denn das Gesetz leh-ret, und der Meynung thut, daß man damit will gen Himmelkommen.
Daraus verstehet man nun auch das Widerspiel, was dasheißt, der Geist machet lebendig ic. Das ist nichts anders, denndas heilige Evangelium, eine heilsame, selige Predigt, und lieb-lich, tröstlich Wort, welches das betrübte Hertz tröstet, erquicket,und gleich aus des Todes und der Höllen Rachen reistet, undversetzet in gewisse Hoffnung des ewigen Lebens, im GlaubenChristi; denn derselbe, wenn das Stündlein kommt, und derTod und Gottes Gericht ihm unter Augen trit, da setzet er nichtseinen Trost auf seine Wercke; sondern, wenn er gleich auch aufsallerbeste gelebt, spricht er doch, wie St. Paulus 1. Cor. 4, 4:Ich bin wol mir nichts bewußt, aber darum bin ich nicht gerecht.
Das Heisset schlecht von ihm selbst und seinem gantzen Le-ben gefallen, ja, sich selbst auch getödtet; so das Hertz spricht:Ich bin dadurch weder gerecht noch selig; welches ist ja nichtsanders, denn .des Todes und verdammt seyn; aber wiederum,der Geist sich heraus reistet und hebt, durch den Glauben desEvangelii, der da spricht (gleichwie St. Bernhardus in seinerTodesstunde auch gesagt): Lieber Herr Jesu, ich weiß, wenn ichaufs beste gelebt habe, so habe ich doch verdammlich gelebt; aberdeß tröste ich mich, daß du für mich gestorben, und mich bespren-get hast mit deinem Blut, aus deinen heiligen Wunden: dennich ja auf dich getauft, und dein Wort gehöret habe, durch wel-ches du mich beruffen, und mir Gnade nnd Leben zugesprochen,und mich heissest glauben; darauf will ich dahin fahren, nicht in
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