Predigt am zehenten Sonntage nach Trinitatis. 33
Hülfe und Belohnung gegen die Glaubigen und Frommen.- wiedie Propheten aus Gottes Wort, beyde, des Gesetzes und derVerheißung, gethan haben.
St. Paulus redet hier von solchen Gaben, so nicht jeder-mann insgemein, sondern etlichen gegeben werden, und einemanders, denn dem andern; wie er spricht- Einem andern derGlaube, einem andern Wunder zu thun, einem andern Weissa-gung w. Darum Heisset hier der Glaube nicht der gemeine Glaubean Christum, dadurch man vor Gott gerecht wird, und Verge-bung der Sünden erlanget; denn derselbige muß in allen Chri-sten seyn, ob sie gleich die sondern Gaben, so er hier erzahlet,nicht haben; sondern er nennet also eine sondere Tugend oderKraft des Geistes, so er wircket in der Kirche, daß etliche könnengroß, trefflich Ding thun, aus grossem ungezweifelten Muth;wie hievon St. Paulus hernach im 13. Eap. 1. Eor. V. 2. auchredet: Wenn ich allen Glauben hatte, daß ich auch Berge verse-tzen könnte w. Denn solches zu thun, da gehöret freylich ein gros-ser, starcker, gewisser Glaube zu, der da ohn alles Wancken undZweifeln, frisch und mit grossem Muth, etwas sonders thue aufden Namen und Kraft Christi, ob es wol seyn kann, daß solcherfür seine Person nicht rechte Busse, noch rechten Glauben hatder Vergebung der Sünde und Gnade in Christo; sondern einHeuchler und falscher Heilige ist; wie Christus Matth. 7, 22.sagt: Es werden viel zu mir sagen an jenem Tage- Herr, Herr,haben wir nicht in deinem Namen geweissaget? Haben wir nichtin deinem Namen Teufel ausgetrieben? Haben wir nicht in dei-nem Namen viel Thaten gethan :c. Denn das ist wahr, daßsolche Gaben und Thaten gewißlich in dem Namen Christi ge-schehen, und niemand, denn der Kirche Christi, gegeben werden,und doch die Personen, so solche haben, nicht alle gerecht sind,sondern können wol falsche Christen seyn; denn solches nicht istder Personen, sondern des Amts oder Wirckung des Geistes, soder Kirchen gegeben wird, daß sie in dem Amt, und von wegender Kirche viel und grosses thun, das nicht ihnen, sondern an-dern nützet.
Von solchen allen sagt er nun - Es sind mancherley Gaben,aber 'einerley Geist, zu vermahnen, daß man nicht darob sollSec-ten machen; denn derselbige Geist wircket sowol durch den, so we-nig und geringere Gaben hat, als durch den, so die größten undmeisten hat- Wie es nun ist mit den Gaben, also ist es auch,beyde, mit den Kräften und Aemtern.
IX. z