Predigt am achten Sonntage nach Trinitatis. 19
kannst du je bey dir fühlen, wo du in Noth und Angst Trostempfähest aus dem Evangelio, und damit solchen Zweifel undSchrecken überwindest, daß dein Herz vestiglich schliessen kann, duhabest einen gnadigen Gott, und nun nicht mehr vor ihm flie-hest, sondern in solchem Glauben ihn fröhlich anruffen kannst,und Hülfe von ihm gewarten; und wo solcher Glaube bestehet,so folget auch die Erfahrung, daß dir geholfen wird; wie St.Paulus Rom. S, 4. S. sagt: Geduld bringet Erfahrung, Erfah-rung bringet Hoffnung, Hoffnung aber laßt nicht zu schändenwerden.
Das ist das rechte innerliche Zeugniß, dabey du erkennest,daß der Heilige Geist in dir wirket; daneben hast du auch äusser-liche Zeugniß und Wahrzeichen, daß er dir gibt sonderliche Ga-ben, seinen geistlichen Verstand, Gnade und Glück zu deinem Be-ruf -c., daß du Lust und Liebe hast zu seinem Wort, dasselbe voraller Welt bekennest, mit Gefahr Leibes und Lebens. Item, daßdu dem gottlosen Wesen und Sünden feind werdest und wider-stehest w. Welches alles nicht thun noch vermögen die Unchristen,so den Heiligen Geist nicht haben. Wiewol es wahr ist, daß auchnoch dieses bey den Heiligen in grosser Schwachheit zugehet; aberdoch der Heilige Geist in solcher Schwachheit die Christen regie-ret, und solch Zeugniß stärket; wie abermal St. Paulus Röm.8, 26. sagt: Der Geist hilft unsrer Schwachheit auf w.
Sind wir denn Kinder, so sind wir auch Erben, nem-lich Gottes Erben und Miterben Christi; so wir andersmit leiden, aus daß wir auch mit zur Herrlichkeit erha-ben werden.
Da hörest du der Christen hohen Ruhm, Ehr und Herrlich-keit. Laß der Welt ihre Pracht, Hoffart und Ehre, welche istnichts anders, (wenn es zum höchsten und letzten kömmt), denndaß die des Teufels Kinder sind. Aber rechne du selbst, was dißsey, daß ein armer elender Sünder soll diese Ehre haben beyGott, daß er Heisse, nicht ein Knecht oder Diener Gottes, sondernGottes Sohn und Erbe.
Er setzet hier aber das Stücklein dazu- So wir anders mitleiden; damit wir wissen, daß wir auch müssen also leben auf Er-den, und uns beweisen als fromme, gehorsame Kinder, die demFleisch nicht folgen, und um dieser Herrschaft willen leiden, wasuns wiederfähret, und dem Fleisch wehe thut; wenn wir das thun,so sollen und mögen wir uns deß herrlich trösten, und mit Wahr-heit wol freuen und rühmen, wie er gesagt: Welche der Geist