Druckschrift 
9 (1828)
Entstehung
Seite
17
Einzelbild herunterladen
 

Predigt am achten Sonntage nach TrinitatiS. 17

Gott von Hertzen anruffet, ob es gleich noch sich schwach undsündlich fühlet und bekennet; das heißt denn einen kindlichenGeist empfangen.

St. Paulus nennet aber also einen knechtlichen und kindli-chen Geist nach der Weise, so noch zu seiner Zeit gewöhnlichwar, da Knechte und Mägde im Hause eines Herrn gar eigenwaren, wie eine Kuh, um sein Geld gekauft, daß er mit ihnenmöchte umgehen, wie mit seinem eigenen Viehe, daß sie sichmußten vor ihrem Herrn fürchten, und der Streiche, Gefängnißund Strafe, bis auf den Tod gewarten, und nicht konnten sagen:An des Herrn Gut habe ich so viel, das mir gehöret, und ermir geben muß w. sondern mußten also dencken: Hier muß ichallein ums Brod dienen, und nichts, denn der Schlage gewarten,und dazu leiden, daß mich mein Herr ausstöfset, und einem an-dern wieder verkaufet, wenn er will. Und also nimmer keine ge-wisse Hoffnung konnten haben, von solcher Furcht und Gefäng-niß und Zwang los zu werden.

Solchen knechtlichen, gefangenen, angstlichen, ungewissenGeist, spricht er, habt ihr nun nicht, da ihr immer mußtet inSorgen des Zorns und Verdammniß leben, wie Mosts Volck,und was unter dem Gesetz ist; sondern ihr habt nun einen sei-nen, freyen, gewissen getrosten Geist, als ein Kind hat gegenseinen Vater, da ihr nicht dürfet fürchten, daß Gott mit euchzürne, oder euch verstossen und verdammen wolle; denn ihr habtden Geist seines Sohnes (wie er droben, und Gal. 4, 6, auchsagt,) in eurem Hertzen, daß ihr wisset, daß ihr im Hause blei-bet, und das Erbe euch folgen soll, und euch deß, als des eu-ren trösten und rühmen möget.

Von diesem kindlichen Geist; item was das Heisse, da erspricht: durch welchen wir schreyen: Abba, lieber Vater! habeich weiter gesagt über die Epistel Galat. 4, 5, da er auch gleichderselben Worte brauchst. Kürtzlich: Es ist hiemit beschriebendie Kraft des Reichs Christi, und das eigentliche Werck, undder rechte hohe Gottesdienst, so in den Glaubigen der HeiligeGeist wircket, nemlich der Trost, dadurch das von Schrecken undFurcht der Sünde erlöset, zufrieden gesetzt wird, und das hertz-liche Anrussen, so von Gott im Glauben Erhörung und Hülfewartet; welcher durch das Gesetz und eigene Heiligkeit keineskann geschehen. Denn damit kömmt der Mensch nimmermehrdazu, daß er könnte rechten gewissen Trost schöpfen der Gnadeund Liebe Gottes gegen ihm, bleibet immer in Sorgen und