16 Predigt am achten Sonntage nach Trinitatis.
Nun, von diesem Wort, so er sagt - Gottes Kinder, nimmtSt. Paulus Ursach weiter zu reden, und kommt auf eine schöne,tröstliche Predigt, das auszustreichen, was diese Kindschaft sey,und für Herrlichkeit habe; welche er in dieser Epistel nur ansähetund spricht:
Denn ihr habt nicht einen knechtlichen Geist empfangen,daß ihr euch abermal fürchten müßtet; sondern ihr habteinen kindlichen Geist empfangen, durch welchen wirrüsten: Abba, lieber Vater!
Das ist ein trefflicher, tröstlicher Text, und billig mit gül-denen Buchstaben zu schreiben- Weil ihr nun den Heiligen Geisthabt (will er sagen,) durch den Glauben, und von ihm getrie-ben werdet, so seyd ihr nun nicht mehr unter der Knechtschaft,wie ihr unter dem Gesetz gewest seyd, daß ihr euch fürchtenmüßtet für desselben Schrecken und Fordern, als wollte euch Gottum eure Unwürdigkeit und übrige Schwachheit des Fleisches ver-dammen und verflossen; sondern habt den Trost, daß ihr nundurch den Glauben göttlicher Gnaden gewiß seyd, und könnet Gottfür euren Vater halten, und als seine Kinder ihn anrüsten :c.
Halt also gegen einander die zweyerlev Wercke, so aus derzweyerley Predigt oder Lehre kommt, nemlich des Gesetzes unddes Evangelii, welche auch den Unterscheid machen zwischen denChristen, und allen andern, so ohn Glauben und ErkenntnißChristi sind. Denn welche nicht mehr, denn Gesetz haben undwissen, die können nimmermehr dazu kommen, daß sie rechtehertzliche Zuversicht und Trost zu Gott möchten haben, wenn siegleich viel thun, und mit grossem Ernst im Gesetz sich üben.Denn, wenn es mit seinem rechten Glantz ihnen unter die Augenschlagt, da sie sehen, was es von ihnen fordert, und wie weitsie noch sind von der Erfüllung desselben, und Gottes Zornihnen zeiget; so ist da nichts denn eitel Schrecken, Scheuen unoFliehen vor Gott, darunter sie müssen zuletzt untergehen, woihnen nicht durch das Evangelium geholfen wird. Das ists, so erhier nennet einen knechtlichen Geist, der da nur schrecket undflüchtig machet vor Gott. Wiederum aber, wo das Hertz diePredigt des Evangelii fasset, welches da sagt, daß uns ohneunser Verdienst und Würdigkeit Gott die Sünde vergibt, umChristi willen, so wir an ihn glauben; da krigt es Trost, widerdes Gesetzes Schrecken, auf Gottes Gnade, und wircket also inihm der Heilige Geist, daß es in solcher Zuversicht zu Gott be-stehen kann, und des Trosts sich halt, und in solchem Glauben