Predigt am siebenten Sonntage nach Trinitatis, lZ
gesehen, gehöret, geredet habt, was schandbar und unzüchtig ist,oder darnach gegangen und gestanden, und mit dem Leib derUnzucht gedienet, das soll nun den Augen und .Ohren wehethun, zu sehen und zu hören, der gantze Leib dafür fliehen, undin Worten und Wercken züchtig seyn-, also sollen auch alle Glie-der, und des gantzen Leibes Thun und Lassen der Gerechtigkeitdienen. Und das darum, daß auch eure Glieder oder Leib heiligwerden, das ist, Gottes eigen und allein zu seinem Dienst gebrau-chet werden, daß sie alle, je langer je mehr und lieber Gott zuEhren und Gehorsam dienen, in allem, was göttlich, löblich,Ehre und Tugend Heisset.
Denn da ihr der Sünden Knechte wäret, da wäret ihrfrey von der Gerechtigkeit.
Das redet er alles nach menschlicher Weise, und nach demgemeinen Recht und Gebrauch derselben Zeit, von Knechtschaftoder Dienst, und Freyheit; da die Knechte waren leibeigen er-kaufte Leute, und mußten eines Herrn eigen seyn, und in seinemDienst bleiben, so lange bis sie vvn ihm freygelassen, oder sonsterlöset wurden. Weil er nun gesagt: Wie ihr zuvor gedienethabt der Ungerechtigkeit, also dienet nun der Gerechtigkeit ?c.daraus folget nun zweyerley Dienst, und auch zweyerley Freyheit:Wer der Sünde dienet, der ist frey (spricht er,) von der Ge-rechtigkeit; das ist, er bleibet unter der Sünde gefangen, undkann nicht zur Gerechtigkeit kommen, noch gerechte Wercke thun.Denn das folget aus der Vernunft, daß ein jeder ist von demfrey, dem er nicht dienet, oder deß Knecht er nicht ist; also auchwiederum: Seyd ihr jetzt Knechte worden der Gerechtigkeit, undfrey von der Sünde, darum folget abermal, daß ihr sollt derGerechtigkeit gehorsam seyn, und dienen. Aber hievon lasset ernun anstehen weiter zu disputiren, und halt die beyde gegen ein-ander, daß sie ansehen sollen, weß sie beyderley Dienstes, so sienun erfahren, Frommen oder Schaden haben, und daraus selbstMessen, auch nach menschlichem Verstand, und sich selbst wei-sen, bey welchem sie bleiben, und welchem sie hinfort gehorsamseyn wollen.
Was hattet ihr nun zu der Zeit für Frucht? Welchesihr euch jetzt schämet; denn das Ende desselbigen ist derTod. Nun ihr aber seyd von der Sünden frey, undGottes Knechte worden, habt ihr eure Frucht, daß ihrheilig werdet; das Ende aber ist das ewige Leben.
Lieber, dencket doch bey euch selbst zurück, was ihr gelebet