Heinrich Heins,
Wie ein Leichnam, gelb und knöchern,Lag der Sohn im Schoß der Mutter;Todestraurig, weit geöffnetStarren seine bleichen Augen.
Ist er wirklich ein Verstorbner,Dem die Mutterliebe nächtlichMit der stärksten HexensalbeEin verzaubert Leben einreibt? —
Wunderlicher Fieberhalbschlas!
Wo die Glieder bleiern müdeWie gebunden, und die SinnsÜberreizt und grüßlich wach!
Wie der Kräuterduft im ZimmerMich gepeinigt! Schmerzlich grübelndSann ich nach, wo ich dergleichenSchon gerochen? Sann vergebens.
Wie der Windzug im KamineMich geängstigt! Klang wie ÄchzenVon getrocknet armen Seelen —Schienen wohlbekannte Stimmen.
Doch zumeist ward ich gequältVon den ausgestopften Vögeln,
Die, auf einem Brett, zu HäuptenNeben meinem Lager standen.
Langsam schauerlich bewegtenSie die Flügel, und sie beugtenSich zu mir herab mit langenSchnäbeln, die wie Menschennasen.
Ach! wo Hab' ich solche NasenSchon gesehn? War es zu HamburgOder Frankfurt, in der Gasse?
Qualvoll dämmernd die Erinnrung!
Endlich übermannte gänzlichMich der Schlaf, und an die StelleWachender Phantasmen tratEin gesunder, fester Traum.