g Vorrede.
dem,,AttaTroll"manchmalmutwillighervorkichertund gleich-sam seine komische Unterlage bildet, keineswegs eine Mitz-ivürdigung des Dichters bezweckt? Ich schätze denselben hoch,znmal jetzt, und ich zähle ihn zu den bedeutendsten Dichtern,die seit der Juliusrevolution in Deutschland aufgetreten sind.Seine erste Gedichtesammlung kam mir sehr spät zu Gesicht,nämlich eben zur Zeit, als der „Atta Troll" entstand. Esmochte wohl an meiner damaligen Stimmung liegen, daßnamentlich der „Mohrenfttrst" so belustigend auf mich wirkte.Diese Produktion wird übrigens als die gelungenste gerühmt.Für Leser, welche diese Produktion gar nicht kennen—und esmag deren wohl in China und Japan geben, sogar am Nigerund am Senegal — für diese bemerke ich, daß der Mohren-könig, der zu Anfang des Gedichtes aus seinem weißen Zelte,wie eine Mondfinsternis', hervortritt, auch eine schwarze Ge-liebte besitzt, über deren dunkles Antlitz die weißen Strauß-federn nickend Aber kriegsmntig verläßt er sie, er zieht indie Ncgerschlacht, wo da rasselt die Trommel, mit Schädelnbehangen — ach, er findet dort sein schwarzes Waterloo undwird von den Siegern an die Weißen verkauft. Diese schlep-pen den edlen Afrikaner nach Europa, und hier finden wirihn wieder im Dienste einer herumziehenden Reutergesellschaft,die ihm bei ihren Kunstvorstellungen die türkische Trommelanvertraut hat. Da steht er nun, finster und ernsthaft, amEingange der Reitbahn und trommelt, doch während desTrommelns denkt er an seine ehemalige Größe, er denkt daran,daß er einst ein absoluter Monarch war am fernen, fernenNiger, und daß er gejagt den Löwen, den Tiger —
„Sein Auge ward naß; mit dumpfem Klang
Schlug er das Fell, daß es rasselnd zersprang."
Geschrieben zu Paris, im Dezember 1846.
Heinrich Heine.
1 „Aus dem schimmernden weißen Zelte hervorTritt der schlachtgerüstete fürstliche Mohr;
So tritt aus schimmernder Wolken ThorDer Mond, der verfinsterte, dunkle, hervor."
2 „Sieh, Federn vom Strauße! laß sie dich schmücken,Weiß auf dein Antlitz, das dunkle, nicken."