Druckschrift 
Romanzero
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

Drittes Buch. Hebräische Melodien. 121

In die Brust des armen SängersStieß er diesen Todesspeer.

Und er jagte rasch von dannen,

Wie ein Schattenbild beflügelt.

Ruhig floß das Blut des Rabbi.

Ruhig seinen Sang zu EndeSang er, und sein sterbeletzter

Seufzer war Jerusalem!

Eine alte Sage meldet,

Jener Sarazene seiGar kein böser Mensch gewesen.

Sondern ein verkappter Engel,

Der vom Himmel ward gesendet,

Gottes Liebling zu entrückenDieser Erde, und zu fördernOhne Qual ins Reich der Sel'gen.

Droben heißt es, harrte seinerEin Empfang, der schmeichelhaftGanz besonders für den Dichter,

Eine himmlische Sürprise.

Festlich kam das Chor der EngelIhm entgegen mit Musik,

Und als Hymne grüßten ihnSeine eignen Verse, jenes

Synagogen-Hochzeitkarmen,

Jene Sabbat-Hymennen,

Mit den jauchzend wohlbekanntenMelodieen — welche Töne!

Englein bliesen auf Hobosn,

Englein spielten Violine,

Andre strichen auch die BratscheOder schlugen Pauk' und Zimbel.

Und das sang und klang so lieblich.

Und so lieblich in den weitenHimmelsräumcn widerhallt' es:

Lecho Daudi Likras Kalle.