daß durchaus gleichstimmiges Zeugniß eintreten könneüber ein bloß ersonnenes Faktum; ob eö gleich keinPostulat des Verstandes ist, daß es unmöglich sey,daß zwei einzelnverhörte Zeugen über ein ersonnenesFaktum ganz gleich aussagen können.
In süßer Selbstzufriedenheit, und in dem be-haglichen Gefühle bereits erlangter, keiner fernernReform und Fortschreitung bedürfender, Vollendung,wiederholst du uns unaufhörlich dieselben Sätze,beweisest sie allemal aus einerlei Art, und meinst,daß, was dir evident ist, an und für sich auch evi-dent sey. — Du irrst. — Die Beweiskraft ist an sichNicht s, sondern sie ist nur Etwas, inBeziehungauf Denjenigen, dem bewiesen werden soll. Es giebtkeine Demonstration von absoluter Evidenz;jede Demonstration ist immer nur von relativerEvidenz. Was dir, bei beschrankter Bildungevident erscheint, weil dir kein Einwurfgegen denBeweis einfallt, das erscheint dem tiefer und viel-seitiger Gebildeten nicht mehr evident, daer gegen denselben geführten Beweis eine Mengevon Einwendungen zu machen weiß, tausenderleian dem Beweise zu tadeln findet, Blößen daranentdeckt, die deinem blöden Auge ganzlich verhülltbleiben. <— Je mehr wir in der Bildung fort-schreiten, desto mehr zweifeln wir, obgleich an-drer Seits die Ueberzeugung von der Wahrheit eines