— 506 —
Wenn wir aber zur Rüge einer fremden Hand-lung nur in so höchst beschranktein Sinne befugtsind; wie anmaßend und vernunftwidrig klingt eserst, wenn wir unser Anathem über den ganzenCharakter eines Andern, über die Gesammtheitseiner Handlungsweise, schleudern, oder wohl gar,über den politisch-moralischen, aus dem Ge-schichtSverlaufe gewordenen, Zustand eines gan-zen Volkes?
Laßt uns, aus der Zusammenstellung des, inder physischen sowohl als in der moralischen Welt,Gewordenen mit den Veranlassungen zu solchem Ge-wordenscyn, die Gesetze des Werdens abstrahi-ern, und hieraus die Charakteristik des allge-meinen Naturwaltcns erahnen; laßt uns aus demErscheinen der Natur, Belehrung über derenBedeutung schöpfen. Aber wie mögen wir unsaufdringen als solche, welche die Natur in ihrer ge-heimnißvollen Genesis zu meistern sich berufendünkten. Nicht, bedenklichen Sinnes und Nase-rümpfend, wollen wir deine Züge bekritteln, Natur;sondern forschend dir schauen ins geheimnißvolle Auge,sehnenden Blickes nachspähen deiner bezauberndenMimik, zu erhorchen sireben die zarten Laute deinerOrakelverhüllten, deiner Orakelweisheit kündenden,Rede! — Aus Bescheidenheit und Demutherwachse uns echte Weisheit! —