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15 (1862) Dichtungen : Th. 1, Buch der Lieder
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Zu mir kam auch der Mai. Er klopfte dreimalAu meiue Thür und rief: „Ich bin der Mai,

Du bleicher Träumer, komm, ich will dich küssen!"

Ich hielt verriegelt meine Thür', und rief:

Vergebens lockst du mich, du schlimmer Gast.

Ich habe dich durchschaut, ich Hab' durchschautDen Bau der Welt, und Hab' zu Viel geschaut,

Und viel zu tief, und hin ist alle Freude,

Und ew'ge Qualen zogen in mein Herz.

Ich schaue durch die steinern harten RindenDer Menschcnhäuser und der Mcnschenherzen,

Und schau' in beiden Lug und Trug und Elend.

Auf den Gesichtern les' ich die Gedanken,

Biel schlimme. In der Jungfrau SchamerröthenSeh' ich geheime Lust begehrlich zittern;'

Auf dem begeistert stolzen JünglingshauptSeh' ich die lachend bunte Schellenkappe;'Und Fratzcnbilder nur und sieche SchattenSeh' ich auf dieser Erde, und ich weiß nicht,

Ist sie ein Tollhans oder Krankenhans.

Ich sehe durch den Grund der alten Erde,

Als sei sie von Krhstall, und seh' das Grausen,

Das mit dem freud'gen Grüne zu bedeckenDer Mai vergeblich strebt. Ich seh' die Todten;Sie liegen unten in den schmalen Särgen,

Die Händ' gefaltet" und die Augen ofsen,

Weiß das Gewand und weiß das Angesicht,

Und durch die Lippen kriechen gelbe Würmer.'

Ich seh', der Sohn setzt sich mit seiner BuhleZur Kurzweil nieder auf des Vaters Grab;

Spottlicder singen rings die Nachtigallen,

) ^ chgh tern; ^ ^ Und durch die geiden Lippen lricchen

2) Seh' ich die bunte Schellenkappe sitzen; I Würmer.