— 106 —
So stehst du auf dem Lehrstuhl, von VerwaltungDer Staaten sprechend, und vom klugen StrebenDer Kabinette, und vom Völkcrlcbcn,
Und von Gcrmaniens Spaltung und Gestaltung.
Aus dem Gedächtnis lischt mir nie dein Bild!In unsrcr Zeit der Selbstsucht und der RoheitErgnickt ein solches Bild von edler Hoheit.
Doch was du mir, recht väterlich und mild,Zum Herzen sprachst in stiller, trauter Stunde,Das trag' ich treu im tiefen Herzensgründe.
An I. B. R(ousscau)/
Dein Freundcsgruß könnt' mir die Brust erschließen,Die dunkle Herzcnskammcr mir entriegeln;
Ich bin umfächelt wie von Zanberflügeln,Und heimatliche Bilder mich begrüßen.
Den alten Nhcinstrom seh' ich wieder fließen,In seinem Blau sich Berg und Burgen spiegeln,Goldtraubcn winken von den Rebcnhügeln,Die Winzer klettern und die Blumen sprießen.
O, könnt' ich hin zu dir, zu dir, Getreuer,
Der du noch an mir hängst, so wie sich schlingtDer grüne Ephcu um ein morsch Gemäuer.
O, könnt' ich hin zu dir, und leise lauschenBei deinem Lied, derweil Nothkchlchcn singtUnd still des Rheines Wogen mich umranschcn.