Druckschrift 
1 (1861) Reisebilder : Th. 1
Entstehung
Seite
35
Einzelbild herunterladen
 

— 35 -

und doch als wenn es sich von selbst verstände:Nähnadel und Stecknadel kommen von der Schnei-derherbergc und verirren sich im Dunkeln; Stroh-halm und Kohle wollen über den Bach setzen undverunglücken; Schippe und Besen stehen auf derTreppe und zanken und schmeißen sich; der befragteSpiegel zeigt das Bild der schönsten Frau; sogardie Blutstropfen fangen an zu sprechen, bangedunkle Worte des besorglichsten Mitleids. — Ausdemselben Grunde ist unser Leben in der Kindheitso unendlich bedeutend, in jener Zeit ist uns Allesgleich wichtig, wir hören Alles, wir sehen Alles,bei allen Eindrücken ist Gleichmäßigkeit, statt dasswir später absichtlicher werden, uns mit de:n Ein-zelnen ausschließlicher beschäftigen, das klare Goldder Anschauung für das Papiergeld der Bücher-dcfinitionen mühsam einwechseln, und an Lebens-breitc gewinnen, was wir an Lebenstiefe verlieren.Jetzt sind wir ausgewachsene, vornehme Leute; wirbeziehen oft neue Wohnungen, die Magd räumttäglich auf, und verändert nach Gutdünken dieStellung der Möbeln, die uns wenig interessieren,da sie entweder neu sind, oder heute dem Hans,morgen dem Isaak gehören; selbst unsere Kleiderbleiben uns fremd, wir wissen kaum, wie vielKnöpfe an dem Rocke sitzen, den wir eben jetzt

3*