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steht. Nur ein Deutscher kann jenes Lied nach-empfinden, und sich dabei todtlachen und todtweinen.Wie tief das Gocthc'schc Wort ins Leben desVolkes gedrungen, bemerkte ich auch hier. Meindünner Weggenosse trillerte ebenfalls zuweilen vorsich hin: „Leidvoll und freudvoll, Gedanken sindfrei!" Solche Korruption des Textes ist beimVolke etwas Gewöhnliches. Er sang auch ein Lied,wo „Lottchen bei dem Grabe ihres Werther's"trauert. Der Schneider zcrfloss vor Sentimenta-lität bei den Worten: „Einsam wein' ich an derRosenstelle, wo uns oft der späte Mond belauscht!Jammernd irr' ich an der Silberquellc, die unslieblich Wonne zugerauscht." Aber bald daraufging er in Muthwillen über und erzählte mir:„Wir haben einen Preußen in der Herberge zuKassel, der eben solche Lieder selbst macht; er kannkeinen seligen Stich nähen; hat er einen Groschenin der Tasche, so hat er für zwei Groschen Durst,und wenn er im Thran ist, hält er den Himmelfür ein blaues Kamisol, und weint wie eine Dach-traufe, und singt ein Lied mit der doppelten Poe-sie!" Von letzterem Ausdruck wünschte ich eineErklärung, aber mein Schneiderlcin mit seinenZiegenhainer Beinchen hüpfte hin und her undrief beständig: „Die doppelte Poesie ist die dop-