Druckschrift 
Anekdoten, Züge und Skizzen aus dem Leben des Königlich Preußischen Feldmarschalls Lebrecht von Blücher : mit Bildn.
Seite
30
Einzelbild herunterladen
 

30

— das und jenes thun — möchten.« Wenn man Ihm vorstellte:»man dürfe jetzt nicht mehr Alles aufs Spiel setzen, man müssevorsichtig verfahren, durch weife und feine Politik die Zeitumstandsgünstig lenken, den Franzosen zeigen, dasi man nicht bloß zu schla-gen verstehe« u. dgl. m., so gab er zur Antwort: »ob sie denn sicheinbildeten, einen Napoleon mit ihren Dinteklexereicn fangen zukönnen? sie möchten nur hingehen und wedeln, bis der Karrenwieder im Koth säße! dann wäre ihnen das Blut der Soldatengut genug, ihre Dummheiten wieder auszubaden.« — Und alsein bekannter Diplomat ihm zu beweisen suchte, daß Napoleon auchohne ferneren Krieg werde »vom Throne herunter« müssen, indemin Frankreich selbst eine Verbindung entstanden sei, die den Kaiserzu Gunsten der Bourbons stürzen wolle, — sagte er ihm ins Ge-sicht: »Die Hundsvötterei der Franzosen ist für uns keine Re-vange. W i r müssen ihn herunterwerfen, wir! Aber Ihr meintWunder, wie klug Ihr seid! — man Geduld! sie werden Euchschon die gehörigen Nasen drehen, und Ihr werdet noch so langefuchsfchwanzen und politisiren, bis wir die Nation wieder auf demHalse haben. Aber dann fahrt Euch das Donnerwetter an denKopf!«

23. Der Fähnrichsstreich.

In die Zeit der Waffenruhe siel Blüchers 71. Geburts-tag. Zur Feier desselben am 16. December gaben die Ofsicieredes Eorps von Vork einen Ball zu Wiesbaden. Hier tanzte derjugendliche Greis nicht nur in der Polonaise, mit der das Fest er-öffnet wurde, sondern sogar auch in einer Quadrille, mit so feinemAnstände und so munter und gewandt, daß alle anwesende Da-men und Herren darüber erstaunten. »Na, Freund,« sagte erdarauf zu York, der auch mit getanzt hatte, »das war ein Fähn-richsstrcich; ich denke wir wollen der lieben Jugend bald andersvortanzen!«

24. Uebergang über dm Rhein.

Vergebens hatten die verbündeten Monarchen dem französi-schen Beherrscher die Hand zum Frieden geboten; er, der Besiegte,verwarf die billigsten Bedingungen, und wollte keine einzige Be-schrankung seiner Macht sich gefallen lassen. Es wurde also dererste Tag des Jahres 1814 zum Uebergang über den Rhein fest-gesetzt. Willkommen war diese Nachricht allen Deutschen; dennjetzt hofften sie mit Gewißheit auf die Vereinigung mit den lange