Druckschrift 
4 (1861) Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
87
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heilige Adalbert begraben. Dort steht sein silbernerSarkophag, und darauf liegt sein eignes Konterfeiin Lebensgröße, mit Bischofmütze und Krummstab,die Hände fromm gefaltet, und Alles von gegosse-nem Silber. Wie oft muss ich deiner gedenken,du silberner Heiliger! Ach, wie oft schleichen meineGedanken nach Polen zurück, und ich stehe wiederin dem Dome von Gnesen, an den Pfeiler gelehnt,bei dem Grabmal Adalbert'?! Dann rauscht auchwieder die Orgel, als probiere der Organist einStück aus Allegri's Miserere; in einer fernenKapelle wird eine Messe gemurmelt; die letztenSonnenlichter fallen durch die bunten Fensterschei-ben; die Kirche ist leer; nur vor dem silbernenGrabmal des Heiligen liegt eine betende Gestalt,ein wunderholdes Frauenbild, das mir einen raschenSeitenblick zuwirft, aber eben so rasch sich wiedergegen den Heiligen wendet und mit ihren sehn-süchtig schlauen Lippen die Worte flüstert:Ichbete dich an!"

In demselben Augenblick, als ich diese Wortehörte, klingelte in der Ferne der MesSner, dieOrgel rauschte mit schwellendem Ungestüm, dasholde Frauenbild erhob sich von den Stufen desGrabmals, warf ihren weißen Schleier über dascrröthendc Antlitz, und verließ den Dom.