Druckschrift 
4 (1861) Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
71
Einzelbild herunterladen
 

— 71 —

„Und ganz sicher, Scnnor, ist Euer Oheimein Jude" — fiel ihm der Rabbi, der dieser Sccneruhig zugeschen, plötzlich in die Rede, und miteinem fröhlich neckenden Blicke setzte er hinzu: —„Und ich will mich selbst dafür verbürgen, dassDon Isaak Abarbancl, Neffe des großen Rabbi,dem besten Blute Jsracl's entsprossen ist, wo nichtgar dem königlichen Geschlcchtc David's!"

Da klirrte das Schwcrtgchänge unter demMantel des Spaniers, seine Wangen erblichenwieder bis zur fahlsten Blässe, auf seiner Ober-lippe zuckte es wie Hohn, der mit dem Schmerzeringt, aus seinen Augen grinste der zornigste Tod,und in einem ganz verwandelten, eiskalten, scharf-gehacktcn Tone sprach er:

„Scnnor Rabbi! Ihr kennt mich. Nun wohlan,so wisst Ihr auch, wer ich bin. Und weiß derFuchs, dass ich der Brut des Löwen angehöre,so wird er sich hüten, und seinen Fuchsbart nichtin Lebensgefahr bringen und meinen Zorn nichtreizen! Wie will der Fuchs den Löwen richten?Nur wer wie der Löwe fühlt, kann seine Schwä-chen begreifen . . ."

„O, ich begreife es wohl," — antworteteder Rabbi, und wchmttthigcr Ernst zog über seineStirnc — „ich begreife es wohl, wie der stolze