Druckschrift 
4 (1861) Novellistische Fragmente
Entstehung
Seite
32
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stumme Wilhelm aber mit seinen schönen, tiefblauenAngcn sah ihr lange ins Gesicht, halb schmerzlich,halb heiter, dann warf er noch einen bedeutendenBlick nach dem Rabbi, sprang zurück in seinenKahn, und bald war er damit verschwunden.

„Der stumme Wilhelm hat doch viele Ähn-lichkeit mit meinem verstorbenen Bruder," bemerktedie schöne Sara. „Die Engel sehen sich alle ähn-lich," erwiderte leichthin der Rabbi, und sein Weibbei der Hand ergreifend, führte er sie durch dasMcnschcngcwimmcl des Ufers, wo jetzt, weil esdie Zeit der Ostcrmesse, eine Menge hölzernerKrambudcn aufgebaut standen. Als sie durch dasdunkle Mainthvr in die Stadt gelangten, fandensie nicht minder lärmigen Verkehr. Hier in einerengen Straße erhob sich ein Kaufmannsladcn nebendem andern, und die Häuser, wie überall in Frank-furt, waren ganz besonders zum Handel eingerich-tet: im Erdgeschosse keine Fenster, sondern lauteroffene Bogcnthürcn, so dass man tief hineinschauenund jeder Vorübergehende die ausgestellten Waarcndeutlich betrachten konnte. Wie staunte die schöneSara ob der Masse kostbarer Sachen und ihrernicgeschcnen Pracht! Da standen Vcnctianer, dieallen Luxus dcS Morgenlandes und Italiens feilboten, und die schöne Sara war wie festgebannt