Druckschrift 
3 (1861) Englische Fragmente und Shakspeare's Mädchen und Frauen
Entstehung
Seite
391
Einzelbild herunterladen
 

Neige geht, um so hastiger leeren will. Diese Liebeist ohne Glauben und ohne Treue, ober darum nichtminder wild und glühend. Im ärgerlichen Be-wnsstsein, dass diese Gluth nicht zu dämpfen ist,gießt das ungeduldige Weib noch Öl hinein, undstürzt sich bacchantisch in die lodernden Flammen.Sic ist feige, und dennoch getrieben von eignerZerstörungslust. Die Liebe ist immer eine Art Wahn-sinn, mehr oder minder schön; aber bei dieserägyptischen Königin steigert sie sich zur gräulichstenTollheit . . . Diese Liebe ist ein rasender Komet,der mit seinem Flammenschwcif in den unerhör-testen Kreisläufen am Himmel dahinstürmt, alleSterne ans seinem Wege erschreckt, wo nicht garbeschädigt, und endlich, kläglich zusammenkrachend,wie eine Rakete in tausend Funken zerstiebt.

Ja, du glichest einem furchtbaren Kometen,schöne Cleopatra, und du glühtest nicht bloß zudeinem eignen Verderben, sondern du bedeutetestauch Unglück für deine Zeitgenossen . . . Mit An-tonius nimmt auch das alte heroische Römcrthnmein jämmerliches Ende.

Womit soll ich aber euch vergleichen, Juliaund Miranda? Ich schaue wieder nach dem Himmelund suche dort euer Ebenbild. Es befindet sich viel-leicht hinter den Sternen, wo mein Blick nicht