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3 (1861) Englische Fragmente und Shakspeare's Mädchen und Frauen
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302
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obliegend; aber die Stimme des Mohren drang inihr Ohr, und obgleich sie die Augen niederschlug,sah sie doch sein Antlitz in seinen Worten, in seinenErzählungen, oder wie sie sagt: „in seiner Seele"... und dieses leidende, großmüthige, schöne, weißeSeelenantlitz übte auf ihr Herz den unwiderstehlichhinreißenden Zauber. Ja, er hat Recht, ihr Vater,Seine Wohlweisheit der Herr Senator Brabantio:eine mächtige Magie war Schuld daran, dass sichdas bange zarte Kind zu dem Mohren hingezogenfühlte und jene hässlich schwarze Larve nicht fürchtete,welche der große Haufe für das wirkliche GesichtOthello's hielt . . .

Julia's Liebe ist thätig, Desdcmona's Liebeist leidend. Sie ist die Sonnenblume, die selbernicht weiß, dass sie immer dem hohen Tagesgestirnihr Haupt zuwendet. Sie ist die wahre Tochterdes Südens, zart, empfindsam, geduldig, wie jeneschlanken, großäugigen Frauenlichter, die aus sans-kritischen Dichtungen so lieblich, so sanft, so träu-merisch hcrvorstrahlen. Sie mahnt mich immer andie Sakontala des Kalidasa, des indischen Shak-speare's.

Der englische Kupferstecher, dem wir das vor-stehende Bildnis der Desdcmona verdanken, hatihren großen Augen vielleicht einen zu starken Aus-