Druckschrift 
3 (1861) Englische Fragmente und Shakspeare's Mädchen und Frauen
Entstehung
Seite
291
Einzelbild herunterladen
 

gleich unser Erstaunen erregt. Die Expositionensind überhaupt in Shakspcare's Tragödien bewun-derungswürdig. Durch diese ersten Eingangs-Sce-nen werden wir schon gleich aus unseren Werkel-tagsgefühlen und Zunftgedanken herausgerissen, undin die Mitte jener Ungeheuern Begebenheiten ver-setzt, womit der Dichter unsere Seelen erschütternund reinigen will. So eröffnet sich die Tragödiedes Macbeth mit der Begegnung der Hexen, undder weissagende Spruch Derselben unterjocht nichtbloß das Herz des schottischen Feldherrn, den wirsiegestrunken auftreten sehen, sondern auch unsereignes Zuschaucrherz, das jetzt nicht mehr loskann,bis Alles erfüllt und beendigt ist. Wie in „Macbeth"das wüste, sinnebetäubende Grauen der blutigenZaubcrwelt schon im Beginn uns erfasst, so über-fröstelt uns der Schauer des bleichen Geistcrreichsbereits in den ersten Sccnen des „Hamlet," und wirkönnen uns hier nicht loswinden von den gespen-stischen Nachtgcfühlcn, von dem Alpdrücken der un-heimlichsten Ängste, bis Alles vollbracht, bis Däne-marks Luft, die von Mcnschcnfäulnis geschwängertwar, wieder ganz gereinigt ist.

In den ersten Sccnen des „Lear" werden wirauf gleiche Weise unmittelbar hineingezogen in diefremden Schicksale, die sich vor unseren Augen

IS«

M