Druckschrift 
3 (1861) Englische Fragmente und Shakspeare's Mädchen und Frauen
Entstehung
Seite
273
Einzelbild herunterladen
 

ich könnte mich von ihr scheiden lassen ob solcherLobeserhebungen. Vielleicht war es nicht der Lieb-reiz von Anna Bullen, was den armen KönigHeinrich von ihr losriss, sondern der Enthusiasmus,womit sich irgend ein damaliger Dr. Johnson überdie treue, würdevolle und fromme Cathariua aus-sprach. Hat vielleicht Thomas Morus, der bei allseiner Bortrcfflichkeit etwas pedantisch und ledernund unverdaulich wie Dr. Johnson war, zu sehrdie Königin in den Himmel erhoben? Dem wackcrnKanzler freilich kam sein Enthusiasmus etwas theuerzu stehen; der König erhob ihn desshalb selbst inden Himmel.

Ich weiß nicht, was ich am meisten bewundernsoll: dass Cathariua ihren Gemahl ganze fünfzehnJahre lang ertrug, oder dass Heinrich seine Gattinwährend so langer Zeit ertragen hat? Der Königwar nicht bloß sehr launenhaft, jähzornig und inbeständigem Widerspruch mit allen Neigungen seinerFrau —- Das findet sich in vielen Ehen, die sichtrotzdem, bis der Tod allem Zank ein Ende macht,nnfs beste erhalten —- aber der König war auchMusiker und Theolog, und Beides in vollendeterMiserabilität. Ich habe unlängst als ergötzlicheKuriosität einen Choral von ihm gehört, der ebenso schlecht war wie sein Traktat äs sspllsm snora-

H eine'S Werke. Ad, NI. 18