Druckschrift 
3 (1861) Englische Fragmente und Shakspeare's Mädchen und Frauen
Entstehung
Seite
121
Einzelbild herunterladen
 

121

das Wohl Englands und daher vielleicht mittelbardas Wohl der Welt abhängt. Aber eben je wich-tiger ein Gegenstand ist, desto lustiger muss manihn behandeln; das blutige Gemetzel der Schlach-ten, das schaurige Sichclwetzen des Todes wärenicht zu ertragen, erklänge nicht dabei die betäu-bende türkische Musik mit ihren freudigen Paukenund Trompeten. Das wissen die Engländer, unddaher bietet ihr Parlament auch ein heiteres Schau-spiel des unbefangensten Witzes und der witzigstenUnbefangenheit; bei den ernsthaftesten Debatten,wo das Leben von Tausenden und das Heil gan-zer Länder auf dem Spiel steht, kommt doch Keinervon ihnen auf den Einfall, ein deutsch-steifes Land-ständegcsicht zu schneiden, oder französisch-pathetischzu deklamieren, und wie ihr Leib, so gebärdet sichalsdann auch ihr Geist ganz zwanglos, Scherz,Selbstpersifflagc, Sarkasmcn, Gcmüth und Weis-heit, Malice und Güte, Logik und Verse sprudelnhervor im blühendsten Farbenspiel, so dass die An-nale» des Parlaments uns noch nach Jahren diegeistreichste Unterhaltung gewähren. Wie sehr kon-trastieren dagegen die öden, ausgestopften, lösch-papicrncn Reden unserer süddeutschen Kammern,deren Langweiligkeit auch der geduldigste Zcitungs-lcscr nicht zu überwinden vermag, ja deren Duft