Druckschrift 
3 (1861) Englische Fragmente und Shakspeare's Mädchen und Frauen
Entstehung
Seite
49
Einzelbild herunterladen
 

49

scincr bestimmten Eigenheit, nirgends werden diespringenden Punkte sichtbar, kein Ereignis wirddeutlich, keines tritt in scincr Notwendigkeit her-vor, die Verbindung ist nur äußerlich, Gehalt undBedeutung kaum geahnct. In solcher Darstellungmuss alles Licht der Geschichte erlöschen, und sieselbst wird zum nicht wunderbaren, sondern gemei-nen Märchen. Die Überlegungen und Betrachtun-gen, welche sich öfters dem Vortrag einschieben,sind von einer entsprechenden Art. Solch dünnlichcrphilosophischer Bereitung ist unsere Lescwelt längstentwachsen. Der dürftige Zuschnitt einer am Ein-zelnen haftenden Moral reicht nirgend aus. "

Dergleichen und noch schlimmere Dinge, dieder scharfsinnige Berliner Rccensent, Varnhagenvon Ense, ausspricht, würde ich dem Walter Scottgern verzeihen. Wir sind Alle Menschen, und derBeste von uns kann einmal ein schlechtes Buchschreiben. Man sagt alsdann, es sei unter allerKritik, und die Sache ist abgemacht. Verwunderlichbleibt es zwar, dass wir in diesem neuen Werkenicht einmal Scott's schönen Stil wiederfinden.In die farblose, wocheutäglichc Rede werden ver-gebens hie und da etliche rothc, blaue und grüneWorte eingestreut, vergebens sollen glänzende Läpp-chen aus den Poeten die prosaische Blöße bedecken,

Heine'S Werke, Bd. rn. 4

)