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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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und der später, 1178, wegen seiner besonderen Geistesgaben zumBischof von Ratzeburg erhoben wird 1 ). Der Name Isfried kann,der Abkürzungssitte jener Zeit gemäfs, sehr wohl Iso lauten undstände der Vermuthung, dafs Isfried von Jerichow als Baumeisterzu Diesdorf thätig gewesen ist, Nichts entgegen, als das Beden-ken, dafs in der Urkunde von 1161 der Bischof Herrman vonVerden ihn nicht als praepositus, sondern nur als fr ater be-zeichnet. Dies Bedenken ist aber nicht zu erheblich. Einmalkann der Stiftungsbau von Diesdorf, dessen Beginn nirgend er-wähnt wird, sehr wohl schon 1155 begonnen und im Wesentli-chen 1159 vollendet worden sein, so dafs die Verdienste des Is-fried, welcher erst 1159 Propst zu Jerichow wird, dem Bruderund nicht dem Propste zukämen, andrerseits darf bei der stren-gen Sitte des Prämonstratenser-Ordens, dessen Mitglieder sichsogar „pauperes Christi “ nannten, nicht zu grofses Gewicht auf |die demüthige Bezeichnung frater gelegt werden, welche ein be-geisterter Ordensjünger Norberts sicherlich lieber hörte, als denpomphafteren Titel praepositus. Kurz, es erscheint nach dieserDarlegung und mit Rücksicht auf die unten spezieller hervorzu-hebende Aehnlichkeit der Bautechnik beider Klosterkirchen mehrals wahrscheinlich, dafs der Erbauer von Diesdorf jener Isfriedvon Jerichow gewesen ist, der bereits damals die Kirche zu Je-richow gebaut und theilweis wenigstens vollendet hatte.

Die Klosterkirche zu Diesdorf wurde der Jungfrau Mariaund dem heiligen Kreuze geweiht und einem aus Chorherren undNonnen des Augustiner-Ordens gebildeten Konvente übergeben. 2 )Die Bestätigung des Klosters nebst allen Rechten und Güternerfolgte 1188 durch Papst Clemens III. Weitere Schenkungensowohl von Seiten der Markgrafen wie benachbarter Grafen undDynasten finden sich 1190, 1217, 1226, 1228, so dafs der zahl-reiche Landbesitz schon damals das Kloster zu einer sehr be-güterten Stiftung erhob. 3 4 ) Im Jahre 1235 beschlofs der Propstvon Diesdorf in einem der Dörfer des Klosters eine Kirche zuerbauen, damit die noch immer in heidnischen Gebräuchen ver-harrenden Slaven der Umgegend durch kirchlichen Besuch nochmehr zum Christenthum hingeführt werden möchten. Aber erst10 Jahre später scheint diese Absicht ermöglicht worden zu sein,nachdem Bischof Meinhard v. Halberstadt die Drohung ausge-sprochen hatte, dafs alle Wenden, die von ihren heidnischen Ge-bräuchen nicht abliefsen, fortgejagt und christliche Bewohner anihre Stelle gesetzt werden sollten. Inzwischen hatte sich derReichthum des Klosters durch die Freigebigkeit frommer Leuteund durch wohlthätige Stiftungen sehr vermehrt. Zu den Haupt-wohlthätern des Stiftes haben die Grafen von Lüchow und Dan-nenberg bis zum Aussterben dieser Familien gehört, weshalb aucheinzelnen derselben ein ehrenvolles Begräbnifs in der Kircheverstattet worden ist. Von der durch einen Ritter von demKnesebeck geschehenen Stiftung eines Altars des heiligen Gei-stes spricht eine Urkunde vom Jahre 1281 '), sowie 1332 derStiftung eines ewigen Lichtes vor dem heiligen Grabe inder Klosterkirche gedacht wird. 5 ) Im Jahre 1459 besafs das Klo-ster 46 Dörfer und Antheile von 21 anderen Dörfern, dazu viele

’) Isfried, der auch eine Zeit lang Kaplan des Herzogs Heinr. d. Löwen zu Braun-schweig war, mufs ein ausgezeichneter und hochbegabter Mann gewesen sein, da wir ihnso häufig reit den hochgestelltesten und bedeutendsten Männern seiner Zeit, wie Anselmv. Havelbcrg, Albrecht d. Bären, Heinr. d. Löwen, Wibald v. Corvey etc. im Verkehr er-blicken. Als Bischof ist er auch der Erbauer der Kirchenschiffe des Domes zu Ratzeburg,den sein Vorgänger Evermodus begonnen, und im Chor und Kreuz, aber ohne die Gewölbe,vollendet hatte. Die grofse Aehnlichkeit zwischen dem Dome zu Braunschweig und dem zuRatzeburg erklärt sich aber dadurch, dafs Isfried als Günstling Heinr. d. Löwen mit Braun-schweig stets in direktem Verkehr stand und entweder auf die dortige Bauthätigkeit ein-wirkte oder von dort her beeinflusst wurde.

2 ) In jener älteren Zeit werden mehrfach Klöster erwähnt, die mit Ordensgeistlichenbeiderlei Geschlechts besetzt waren. Erst später wurde das Unschickliche solcher Einrich-tung erkannt, bei neuen Stiftungen vermieden und bei älteren durch Versetzung des einenKonventtheiles beseitigt. Wann diese Trennung zu Diesdorf stattgefunden, ist ungewifs, —wahrscheinlich geschah es im Anfänge des XIV. Jahrhunderts, denn 1285 werden nochfünf Geistliche zu Diesdorf als Zeugen benannt.

3 ) Riedel, Mark Brandenburg I. 56 ff.

4 ) Dipl. Vet. March. II. 171.

s ) .... lumen, quod ardel, die nocteque in Cripta, ubi requiescit Corpus Jhestt Christi.Beckmann, a. a. O. Sp. 149.

Mühlen und sonstiges Zubehör, so dafs von den Einkünften 60Nonnen erhalten werden konnten. ')

Die ferneren Schicksale des Klosters sind unerheblich. DieReformation trat in der Mitte des XVI. Jahrhunderts ein, ohneaber die Stiftung ganz aufzulösen. Ihre Aufhebung erfolgte erstin diesem Jahrhundert.

Die Klostergebäude, von einer sehr umfangreichen Kloster-mauer umgeben, waren bis vor kurzem noch fast vollständig er-halten und sind erst im Sommer d. J. 1860 zum gröfseren Theileabgebrochen worden, doch wird noch ein Theil derselben zu öko-nomischen Zwecken benutzt. Die Klosterkirche, welche mancheBeschädigung erlitten, aber noch sehr wohl erhalten ist, wird soeben einer umfassenden Restauration unterworfen.

Baubeschreibung.

Die Kirche, deren Nordwestseite der Holzschnitt darstellt,ist eine romanische gewölbte Pfeilerbasilika von sehr ähnlichenAbmessungen wie Arendsee, und von dieser im Innern nur darinverschieden, dafs die Schiffe des Langhauses nicht mit Kuppel-oder Tonnengewölben, sondern mit schweren Kreuzgewölben be-deckt sind, während das Aeufsere durch einen stattlichen aber|j unvollendet gebliebenen Thurmbau an der Westseite einen aus-drucksvolleren Charakter empfangen hat.

Kleine Erweiterungsbauten abgerechnet, entstammt die Kir-che zweien Bau-Epochen, welche ziemlich bald aufeinander ge-folgt sind. Das Langhaus, Querschiff und Chor nebst den Ab-siden gehören dem XII. Jahrhundert an und zwar so, dafs dieöstlichen Theile, Querschiff und Chor einen noch älteren Cha-rakter zeigen, als das Langhaus, während der Thurm alle Kenn-zeichen des entwickelten Uebergangsstyles besitzt und in die ersteHälfte des XIII. Jahrhunderts zu stellen ist.

Die Aufsenfronten sind in den Formen des romanischenBacksteinbaues ausgeführt, wovon Jerichow, Arendsee und dieromanischen Kirchen der Stadt Brandenburg bereits Beispiele ge-liefert haben. Schwach vortretende Wandlissenen erscheinen anden äufseren, wie einspringenden Ecken, Rundbogen- und Stab-friese, in Verbindung mit einfachen oder doppelten Stromschichtenschmücken die einfach vortretenden Hauptgesimse, während ein-fache Plinthengesimse an den Absiden wie Längswänden auf-treten. Die Hauptabsis ist mit zwei runden Mitteilissenen aus-:: gestattet, deren kräftige Bildung und Verbindung mit dem Deck-

gesims Bl. XXIX, Fig. 6 u. 8 darstellen. Die nicht sehr schlan-ken, mäfsig geschmiegten Fenster im Chor und Querschiff sindweit auseinander gestellt, während die Oberfenster des Lang-hauses schon paarweise geordnet, stärker geschmiegt und in sehr

') Klöden, Marienverehrung etc. S. 43.