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auf 2 Stein breiten Gurtbogen, welche nicht vom Erdboden ein- iporsteigen, sondern mittelst zweimaligen durch vorspringendeSchichten gebildeten Absatzes in 12 resp. 18 Fufs Höhe überdem Fufsboden beginnen. (Vergl. den Längenschnitt Bl. XXVI, |Fig. 2). Es läfst sich hieraus wie aus anderen Spuren sicherschliefsen, dafs ursprünglich nur Chor und Querschiff gewölbtwaren und dafs die Ueberwölbung des Mittelschiffs nachträg-lich, aber spätestens in den ersten Jahren des XII. Jahrhundertshinzugefügt worden ist. Die viereckigen Schiffspfeiler sind ganzeinfach gebildet aber mit gut gezeichneten Kämpferkapitellenausgestattet. Reicher gebildet sind nur die Vierungspfeiler, vorderen kreuzförmiger Gliederung kräftige mit Würfelkapitellen undreichen Basen geschmückte Halbsäulen vortreten. Vergl. dieDurchschnitte auf Bl. XXVI und das Detail dieser Pfeiler BlattXXVIII, Fig. 1, welche gegen die entsprechenden Vierungspfeilerder Klosterkirche zu Diesdorf Bl. XXIX, Fig. 7 u. 9 eine vorge-schrittene Entwicklung, in den Basen sogar eine zierliche Ele-ganz bekunden. Im südlichen Seitenschiffe befindet sich die(jetzt restaurirte) Nonnen-Empore, derentwillen die beiden öst-lichen Schiffsarkaden in niedrigen, gedrückten Verhältnissen ge-bildet worden sind, wie dies der Längenschnitt, Fig. 2, zeigt.Auch die gegenüberliegenden Schiffsarkaden der Nordseite sindkorrespondirend niedrig und gedrückt, aber in etwas abweichen-den Detailformen hergestellt. Bl. XXVIII, Fig. 3 zeigt den be-treffenden, kurzen, aber reich ausgestatteten Arkadenpfeiler mitabgeschrägten Ecken, deren Auflösung nach oben hin durch zier-liehe eingemeifselte Blätter bewirkt wird.
Die sehr einheitliche Beleuchtung der Kirche wird durchhochangeordnete, mäfsig grofse Fenster bewirkt, von denen dieder Absis im Innern sehr gedrückte Rundbogen zeigen. DieVerhältnisse des Innern sind trotz der mäfsigen Höhenerhebungsehr gut zu nennen und geben dem Ganzen einen freieren undluftigeren Charakter,' als dies zu Diesdorf der Fall ist.
Das Aeufsere zeigt grofse Einfachheit und Schlichtheit und iist darin dem Dome und der St. Nikolauskirche zu Brandenburgnahe verwandt. Die Westfa^ade, Bl. XXVII, Fig. 2, welche beiden meisten älteren Kirchen verändert oder nie vollendet wor-den ist, findet sich hier noch erhalten und verdient deshalb einebesondere Hervorhebung. Bemerkenswerther als die daran auf- itretenden schon sehr schlanken Fenster in den Halbgiebeln der !Seitenschiffe, ist die durch einen kräftig hervortretenden gro- 1fsen Halbkreisbogen umrahmte Fenstergruppe des Mittelschiffs, iUnter den Fenstergruppen des Backsteinbaues, deren fortschrei- !tend engere Nebeneinanderstellung und schlankere Zeichnung !Schritt für Schritt bis zu den schönen grofsen Westfenstern des 1
Uebergangsstyles fortführt, ist die hier dargestellte eine der älte-sten und strengsten 1 ). Von selten vorkommender Bildung sinddie gekuppelten Fenster im Westgiebel, deren jedes durch eineBacksteinsäule mit jonisirendem Kapitell in zwei schlanke Schall-öffnungen getheilt wird. Vgl. Bl. XXVIII, Fig. 2. — Die Ost-fa^ade, Bl. XXVII Fig. 1, ist in den herkömmlichen Formen desromanischen Backsteinbaues gebildet und im Ganzen einfach ge-halten. 2 ) Von eleganter Zeichnung ist der Bogenfries der Haupt-absis, Bl.’-XXVIII, Fig. 4, welcher von den bereits mitgetheiltenFriesen zu Jerichow, Brandenburg etc., nicht in der Komposi-tion, wohl aber in den Verhältnissen erheblich ab weicht. Kräf-tiger sind die Lissenen an der Hauptabsis, welche Bl. XXVIII,Fig. 6 u. 7 darstellt, gebildet. Die reichste Ausstattung hat dieFront des Südkreuzes, deren Giebel Blendnischen mit Kleeblatt-bogen, Stabfriese etc. besitzt, durch die Hinzufügung eines statt-lichen Rundbogenportals empfangen. Dieses Hauptportal BlattXXVIII, Fig. 8 von tüchtiger Zeichnung und wohlüberlegter Kon-struktion ist eine Wiederholung des an gleicher Stelle befindli-chen Portals zu Diesdorf, und wie jenes gut erhalten.
Diesen im Ganzen wohl erhaltenen Theilen des Stiftungs-baues sind im Laufe des Mittelalters noch einige Anbauten hin-zugefügt worden. Dazu gehört der auf der Nordseite belegeneniedrige Kreuzgang, in nüchternen Formen und nachlässigerTechnik erbaut. Die unregelmäfsig geordneten Kreuzgewölbe—- ruhen auf dicken birnenförmigen Rippen und die zweithei-Ä ligen Fenster, welche den Gang erleuchten, sind ebenso roh^ gezeichnet wie mittelmäfsig gemauert. Alles spricht hierfür den Schlufs des XV. Jahrhunderts als Bauzeit. Der auf derSüdseite westlich neben dem Südkreuz belegene, mit einem Giebelbeendigte Ausbau der Nonnen-Empore in zwei Geschossen ver-dankt ebenfalls einer späteren Zeit seine Entstehung. Eine ge-nauere Untersuchung lehrt, dafs derselbe ursprünglich nur ein-geschossig, in frühgothischen Formen erbaut war und erst inspätgothischer Zeit die jetzige Herstellung in zwei Geschossenmit dicken Strebepfeilern, sehr mittelmäfsigen Kreuzgewölbenund breiten, dreitheiligen Spitzbogenfenstern erfahren hat. Wahr-scheinlich ist der untere Theil als die im Jahre 1283 erwähnteSt. Thomaskapelle zu betrachten, denn in jene Zeit weisen dievermauerten spitzbogigen Blendarkaden, unteren Fenster undSpuren des alten Hauptgesimses zurück, während Strebepfeiler,Oberfenster und Giebelbildung entschieden dem XV. Jahrhundertangehören. Vermuthlich ist die alte Nonnen-Empore in jenerZeit, wo der Konvent laut Urkunde von 1481, 70 Mitgliederzählte, erweitert worden und dann dürfte der Erweiterungsbauderselben, sowie der Neubau des Kreuzganges mit Wahrschein-lichkeit zwischen 1470—80 zu stellen sein. Diese Annahmefindet eine weitere Stütze in der Betrachtung des oblongen Glok-kenthurmes, welcher mit glatten Mauerflächen emporsteigend undmit einem einfachen Satteldache abgedeckt, an der Ostseite ineiner Wappenblende das Rad der Familie von Jagow zeigt, mit-hin sehr wohl der Bauthätigkeit der Aebtissin Anna v. Jagowzugeschrieben werden kann. Ueberdies ist dieser Glockenthurmauf dem beschädigten, aber in allen Umrifslinien noch gut er-kennbaren Grabstein des Propstes Johannes (gestorben 1475)dargestellt. Der Thurm steht sehr verkleinert neben dem kelch-tragenden Geistlichen und zeigt deutlich an seiner Fa<?ade diein gothisch arabischen Ziffern geschriebene Jahreszahl 1473, wo-durch also die Bauzeit des Glockenthurmes sicher begründetwerden kann und ein weiterer Anhalt für die damit verwandtenBautheile gewonnen wird.
Von den als malerische Ruine vorhandenen, auf der Nord-seite der Kirche belegenen Klostergebäuden ist besonders derNordflügel wegen der strengen, frühgothischen Formen inter-
*) Derartige Gruppen besitzen Diesdorf, Jerichow, Lehnin, St. Lorenz zu Salzwedel,viele Kirchen in Meklenburg und mit Werkstein verbunden der Dom zu Lübeck.
2 ) Die südliche Nebenabsis ist, wie der Grundrifs lehrt, nicht mehr vorhanden, konnteaber nach unzweideutigen Spuren in der Fa^ade restaurirt werden. Auch ist in der letz-teren der auf der Nordseite belegene spätere Sakristeibau, der die nördliche Nebenabsistheilweise verdeckt, weggelassen worden.