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1 (1862) Die Mark Brandenburg : Stadt Brandenburg, die Altmark
Entstehung
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Technisches.

Das Fundament des Bauwerks besteht an allen Theilen biszur Plinthe aus gutem Granitmauerwerk, welches wahrscheinlichder älteren Kirche entstammend, bei dem Neubau eine zweck-mäfsige Verwendung fand.

Auch das gesammte übrige Mauerwerk, incl. der Bogen undWölbungen, ist in technischer Beziehung mit Sorgfalt herge-stellt worden, wenn auch zugegeben werden mufs, dafs die altenromanischen und frühgothischen Bauten in Brandenburg einenoch gröfsere Vollendung zeigen. Das verwendete Material dergewöhnlichen Backsteine wie der scharf profilirten und gut gla-sirten Form- und MaafsWerksteine, ist von besonderer Güte undzeist ungeachtet der Witterungseinflüsse von 4 Jahrhundertennoch eine treffliche Erhaltung. Das durchschnittlich ermittelteFormat der gewöhnlichen rothen Backsteine ist 11 Zoll Länge,Zoll Breite und 3', Zoll Stärke. Die gelben Backsteine des neuaufgeführten Thurmes sind beträchtlich kleiner, nämlich 9 Zoll,4} Zoll und 3 Zoll. -

Für die Gestalt des Grundrisses ist die Anordnung der nachinnen gelegten Strebepfeiler als besonders zweckmäfsig hervor-zuheben, weil dadurch im Innern brauchbare Umgänge, die zuallen Fenstern führen, hergestellt und die Strebepfeiler selbstder Zerstörung durch Witterungseinflüsse entzogen werden.

In Hinsicht der Faijadenstructur giebt die Kirche ein be-sonders bemerkenswerthes Beispiel, bis zu welchem Grade tech-nischer Fertigkeit sowohl in der Fabrication ') wie Verwendungdes Backsteins man gelangt war. Fortgesetzte Uebung und diean den verschiedensten Bauwerken erlangten Erfahrungs-Resul-tate führten zuletzt zu dem Versuche, die reich gegliederten Fa-^adensysteme des gothischen Styles, welche der Haustein ge-schaffen und ermöglicht hatte, auch im Backstein wiederzugeben.Je mehr man sich des Materials und seiner Herstellung halberauf ein Minimum von wiederkehrenden Kunstformen beschrän-ken mufste 2 ) und je verschiedener der Maafsstab derartigerPfarrkirchen von dem der grofsen Kathedralen war, um so hö-her ist das wirklich erlangte Resultat anzuschlagen. Nament-lich gilt dies von der kühnen und wahrhaft bewundernswürdi-gen Structur der nur aus Formsteinen bestehenden Giebel wände,welche der Verwitterung und aller Zerstörungen ungeachtetnoch heute trefflich erhalten sind. Das Fehlen vieler Kunst-formen, namentlich der freien Endigungen, mufs der bedeuten-den Erschütterung, welche der Einsturz des grofsen Thurmeshervorrief und die sich sicher durch das Bauwerk fortpflanzte,zugeschrieben werden 1 ).

Andrerseits darf nicht verhehlt werden, dafs man mit demAufbau so frei durchbrochener Wände auch an der Grenze despraktisch Zulässigen angekommen war. Ein Beispiel statt vie-ler möge hierfür genügen. Die kleinen Ziergiebel oberhalb derFiguren-Nischen an allen Strebepfeilern sind so angeordnet, dafsdieselben mit zwei schwachen Fugen auf weit herausgestreck-ten Kämpfersteinen stehen. Um nun oben der Spitze noch einenHalt zu geben, hat man diese Formsteine mittelst langer Draht-stücke in der Vollmauer befestigt; aber diese ganz unsolideConstruction hat nicht verhindern können, dafs fast \ dieserzahlreichen Formsteine herabgestürzt oder wankend sind undeiner Erneuerung bedürfen.

Auffallend vernachlässigt, sowohl in der Zeichnung wieStructur erscheint das Stabwerk der grofsen Schiffsfenster, be-sonders im Gegensatz zu dem decorativen Reichthum der Stre-bepfeiler und Giebel. Dafs die Strebepfeiler in ihrer äufserenErscheinung nicht gleichzeitig aufgemauert, sondern später in

') Massive, trefflich gebrannte Fonnstcine von fast j Cubikfufs Inhalt kommen ander Katharinen-Kirche, besonders an Thürprofilen mehrfach vor.

a ) Aus rein praktischen Gründen erklärt sich die Thatsache, wefshalb in dem Maafs-werk so überwiegend viel Voll- oder Halbkreise und fast gar keine Spitzbogen angeordnetsind. Die letzteren sind minder solid und erfordern mehr Formsteinsorten im Bogen, alsdie ersteren.

s ) Wenigstens beweisen mehrfache Spuren, dafs schon gleich nach der Reformations-zeit Reparaturen vorgenommen sind, zu denen unter andern die auf Bl. XII mitgetheiltensehr rohen Fialen-Endigungen in glasirten Steinen gehören.

das Mauerwerk eingebunden worden sind, beweisen mehrfacheVerzahnungen oberhalb der Süd- und Nord-Kapelle. Sicherlichgeschah diese nachträgliche Herstellung nur, um die Formsteinegegen Beschädigungen während des Baues zu sichern.

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Resultat.

Die Kirche ist wegen der hohen Stufe, welche dieselbe intechnischer, wie künstlerischer Beziehung eiimimmt, wegendes inschriftlich gesicherten Datums, wodurch es möglich wird,andere nahe verwandte Backsteinbauwerke chronologisch einzu-reihen, hier möglichst eingehend erläutert worden.

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Die specielle Bau - Geschichte des Monuments läfst sich|| auf Grund der vorangestellten Ermittelungen folgendermaafseni ordnen:

Vor 1285 Südwest-Ecke in Granitbau.

, Von 13811401. Bau des Schiffes und der Frohnleich-

namskapelle durch Meister Heinrich Brunsberg v. Stettin ').j' 1410. Bau der Südkapelle.

14071411. Chorbau.

15831585. Thurm der Westfront.

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IXXI. Thorthürme der Alt- und Neustadt Brandenburg.

|j Jede der beiden Städte war durch Wall und Graben und eine

'' mit Thürmen besetzte Ringmauer, sowohl nach aufsen hin als| gegeneinander wohl befestigt. Fünf Thore führten durch diese!; Befestigungen in die Altstadt und ursprünglich drei, später vier1 Thore in die Neustadt 2 ). Von diesen am Schlüsse des Mittel-alters bis zum Jahre 1730 3 ) vorhanden gewesenen Befestigungs-einrichtungen sind nur noch vier der neben den Thoren erbau-ten Befestigungsthürine ebenso wie der gröfste Theil der Ring-mauer wohl erhalten, dagegen sind Wälle und Gräben in öffent-liche Promenaden verwandelt und fünf Thorthürme, darunterdrei erst zu Anfang dieses Jahrhunderts abgebrochen worden.Der eine dieser letztgenannten Thürme, der des Altstädter Mühlen-thores ist durch das schon bei der Baubesclireibung der St. Marien-

Kirche erwähnte Oelgemälde vomJahre 1586 (welches in St. Go-dehard hängt) abbildlich erhal-ten und wird hier in verkleiner-tem Maafsstabe durch den Holz-schnitt wiedergegeben. Er ge-hörte zu den Rundthürmen undbesafs oben ein etwas vorgekrag-tes Stockwerk, welches mit vierGiebeln geschmückt und mit ei-ner kegelförmigen massiven Spitzeabgeschlossen war. Der den Ein-tritt verstattende grofse Thorbo-gen lag zur Seite und war obenmit doppelten Zinnen besetzt, zwi-schen denen man zum Thurme ge-langte. Eine gleiche Einrichtungläfst sich bei den andern Thor-thürmen nach vorhandenen An-satzspuren der Thorbogen voraussetzen.

') Meister Heinrich Brunsberg soll nach Fabers Kunstlexicon (daraus Otte, Handb.S. 171.) auch zu Danzig und Prenzlow thätig gewesen sein, doch entbehren diese Anga-I ben bis jetzt jeder Begründung. Was Prenzlow betrifft, so ist der Bau der St. Marien-j Kirche (die nur in Frage kommen kann) entschieden älter und strenger gebildet, nament-lich der Ostgiebel, als irgend ein Bautheil an der St. Katharinen-Kirche. Auch ist nirgend-| wo der Name des ausgezeichneten Baumeisters dieser Kirche überliefert. In Danzig bautallerdings ein Meister Henricus an der Erweiterung des Rathhauses von 13791384, aberdie Theile des Gebäudes, welche dieser Zeit zugeschrieben werden können, haben nichtsVerwandtes mit St. Katharina. Dazu kommt, dafs die decorative Fasadenbildung des Back-steinbaues besonders mit Verwendung glasirter Steine von Tangermünde bis Königsberg inder Neumark und Stargard in Pommern reicht, und ein grofser Theil der in Rede stehen-den Bauwerke fast gleichzeitig, nämlich am Schlüsse des XIV. Jahrh. erbaut worden ist.

2 ) Wie dies aus den Wappen beider Städte und der Bezeichnung der Thorstrafsenhervorgeht.

3 ) Wie aus Gottschlings, a. a. O. S. 1 dargestellter kleiner aber werthvollerVogelperspective von Brandenburg ersichtlich ist.

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