Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
71
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glaubte, verletzten Manne, und es war Ihr, als müsse Siedas wieder gut machen. „Verzeihen Sie, ich habe Ihnennicht wehe thun wollen," sprach Sie; „nun müssen Sie miraber gestatten, täglich bis zu Ihrer Genesung durch Erfri-schungen, die Sie vielleicht nicht so gut bekommen können,sür Ihre Küche zu sorgen. Der König liebt die guten Bür-ger Seiner Vaterstadt Potsdam und ich theile von Herzendiese Empfindung." Dankbar und gerührt stand der Mau-rermeister van der Leeden (so hieß der Mann) vor seinerhuldvollen Königinn, und empfing nun viele Wochen hin-durch jeden Mittag stärkende, erquickende Nahrungsmittel ausder Königlichen Küche..

Bei dieser nach allen Richtungen hin tagtäglich geübtenWohlthätigkeit reichten oft die Geldmittel, welche die Kvniginnaus der Chatulle des Königs vierteljährlich durch den GeheimenKämmerer Wolter empfing, nicht aus, und Sie begehrte dannvon diesem Vorschüsse. Wolter war ein biederer, treuherzi-ger, und in allen seinen Sachen, namentlich Rechnungen,höchst accurater, gewissenhafter, und dabei dreister Mann.„Bei mir," sprach er, „muß Alles jeden Monat im Abschlüsseseine Richtigkeit haben und bei Vorlegung meiner Rechnun-gen darf ich in der Ausgabe keine Vorschüsse notiren; desKönigs Majestät wollen und gestatten das nicht. Wahrhaf-tig Jhro Majestät, das geht ferner nicht mehr so, Sie gebensich noch armt" Und begütigend sprach die Königinn: „Gu-ter Wolter, ich liebe meine Kinder, und das Wort Lan-deskind hat für mich einen süßen Klang, und der Ge-danke, neben meinem besten Freunde,*) dem Landesvater,

*) So nannte die Königinn am Liebsten den König, wenn Sievon Ihm sprach.