gewöhnlich zur Begutachtung zu, und ich war so glücklich,oft der Uebcrbringer Ihrer milden Gaben zu sein. Siepflegte dann wohl zu sagen: „Alles kommt darauf an, daßdie Quellen und Ursachen der Armuth gehoben und die Dürf-tigen durch pflichtmäßige Thätigkeit besser und glücklicherwerden;" — dann aber setzte sie auch in acht weiblicher Na-tur wieder hinzu: „Ob der Arme die Hülfe verdient? daswollen und dürfen wir nicht untersuchen. Wer kann daswissen und abwägen! Die Grenzlinien zwischen verschuldetemund unverschuldetem Elend sind fein gezogen und laufen in-einander. Und wie macht's denn der liebe Gott mit uns,denen er reichlich giebt? Ist nicht. Alles Erbarmen undGnade?" Dieß fromme Gefühl und der damit verbundenestille Aufblick verließ Sie nie; und das ging so weit, daßwenn Sie, am Fenster stehend und nach der Straße schauend,oder durch die Stadt fahrend, irgend ein Schmerzcnsgesichtgesehen, Sie den bittern Eindruck nicht eher wieder los wer-den konnte, bis Sic ausgeforscht und geholfen hatte. Beider Geneigtheit, schnell zu Helsen, irrte Sic aber auch zuweilen.
Aus einem Spaziergange in dem dem Schlosse nahegelegenen Lustgarten zu Potsdam sah Sic im Borbeigeheneinen blassen, erschöpften Mann auf einer Bank am Wegesitzen, und da er auch dürstig gekleidet war, so hielt Sicihn für arm, und ließ ihm durch einen Laquaicn vier Frie-drichsd'or reichen. Es war aber ein nicht unbemittelter Pots-damer Bürger, der, lange krank gewesen und die stärkende frischeLust suchend, an der wärmenden Frühlingssonne sich erquickte,und nun die dargebotene Gabe im richtigen Ehrgefühl ab-lehnte. Als die inzwischen weiter gegangene Königinn dießerfuhr, kehrte Sic auf der Stelle um zu dem, wie Sie nun