Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
67
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richtete nun sein Haupt wieder empor und meinte: „Niemandversteht mich doch besser, als unsere gute Königinn."

Bei einem glänzenden Militair-Kirchenfeste, welchem derKönig und die Königinn mit Ihren Hofstaaten in derHof- und Garnison-Kirche zu Potsdam beiwohnten, kam einewürdige und hochachtbare Frau aus der Gemeinde zu spätund konnte in der überfüllten Kirche nirgends mehr einPlätzchen finden. Unbekannt mit der Localität, geräth sie inden Gang, der zur Loge der Königinn führt, und öffnet, dießnicht ahnend, die Thür derselben. Erstaunt über die glänzendeVersammlung, die sie in Andacht schon auf den vortragen-den Geistlichen gerichtet hier erblickt, will sie zurücktreten, alssie, freundlich gewinkt von einer Hofdame, still und demüthig,ihrem anspruchslosen Charakter treu, in der hintersten ReihePlatz nimmt. Aber damit hatte sie über ihr schuldlosesHaupt ein schweres Unwetter gebracht; denn nach geendig-tcm Gottesdienste, als die Königinn die Loge zuerst verlassen,trat der Ober-Ceremonienmeister v. N., kraft seines Amtes,mit allen Ausdrücken des Unwillens und Zornes zu der ge-ängstigten Frau hin, mit einem Strome von Vorwürfen:„wie sie sich hätte unterstchen können, unanständigerweise indie Loge Ihrer Majestät der Königinn sich zu drängen, unddamit eine unverzeihliche Unschicklichkeit zu begehen!" AlleVersicherungen: daß dieß ohne Absicht, zufällig, geschehen sei,alle Bitten um Verzeihung halfen auch da nicht, als sie denNamen und Stand ihres Mannes genannt; sie wurde be-handelt, wie wenn sie sich des "Verbrechens der beleidig-ten Majestät schuldig gemacht hätte. Trostlos und in Thrä-ncn kam sie zu mir und klagte mir ihre Noth, am Meistengequält von dem Gedanken, als wenn es scheinen könne, sie