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habe die Ehrfurcht vor der Königinn, die sie doch so tiefund aufrichtig verehre, unverzeihlicherweise aus den Augengesetzt. Als sie nun so weinte und klagte, trat ein Kammer-Herr der Königinn, Graf von Brühl, herein, mir zu sagen:„die Königinn wünsche mich zu sprechen, und wo möglichsogleich." Als er mich in das Audienz-Zimmer geführt, kammir die Königinn rascheren Schrittes mit den Worten ent-gegen: „Aber ich bitte Sic um's Himmelswillen, was ist inIhrer Kirche geschehen? Soeben habe ich mit Unwillen ge-hört, wie eine würdige Frau der Gemeinde von dem Herrnv.N. prostituirt worden ist. Warum? — Sollte man's glauben,darum, weil sie in meiner Loge während des GottesdienstesPlatz genommen hat. Man weiß, wie der König und ichüber das Hofes-Ceremoniel denken. Ganz läßt es sich auchnicht beseitigen; aber man sollte doch einen Unterschied ma-chen! Und das nun vollends in der Kirche! Ich bin trost-los darüber, wiewohl ich's nicht verschuldete.. Ich bitte Sie,machen Sic es wieder gut. Essen Sie diesen Mittag beiuns auf der'Pfauen-Insel und bringen Sie mir die Ver-sicherung, daß die würdige Frau wieder zufriedengestellt ist.Morgen aber kommen Sie mit ihr zu mir und ich werdemich freuen, ihre persönliche Bekanntschaft zu machen."
So war alles Schnöde, Herbe und Bittere, Ihrer Seelefremd, — wehe thun konnte Sie nicht. Wie in einen kla-ren, reinen Spiegel, schauete man in Ihr Gemüth, und gernden Glücklichen erheiternd zugewendet, sympathisirte Sic eben-so sehr mit den Unglücklichen. Ihr Mitleid war ein wirk-liches mitleiden, und wie eigenen, so fühlte Sie fremdenSchmerz. Man las denselben, wie in dem ernsten Angesichtedes Königs, so in deni Ihrigen. Bei Jenem hatte dann