Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
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Ein spöttisches, höhnendes Lächeln zuckte auf den Gesichternder meisten anderen Damen. Dicß würde die Königinn, alsnicht bemerkt, mit Stillschweigen haben hingehen lassen; daSie aber, Alles genau beachtend, hören mußte, daß eine nichtferne stehende Dame vornehmer Abkunft leise zu ihrer Nach-barinn bitter sprach: „Also eine Mißgeburt!" da fühltedie Königinn Ihr rein menschliches sittliches Gefühl verletztund konnte und durste nicht schweigen. Angeregt, hob Sie,wie Sie zu thun pflegte, Ihr schönes lockiges, mit einemDiadem geschmücktes Haupt, und in hoher, hervorragenderGestalt heiter umherschaucnd dastehend, sprach Sie, Allenim großen Audienzsaalc Umhcrstchenden hörbar:

„Ei! Frau Majorinn, Sie haben mir naiv-satyrisch ge-antwortet. Ich gestehe, mit dem herkömmlichen Ausdruck„von Geburt sein," wenn damit ein angeborener Borzug be-zeichnet werden soll, habe ich nie einen vernünftigen, sittlichenBegriff verbinden können, denn in der Geburt sind sich alleMenschen ohne Ausnahme gleich. Allerdings ist es von ho-hem Werthe, ermunternd und erhebend, von guter Fami-lie zu sein, und von Vorfahren und Eltern abzustammen,die sich durch Tugend und Verdienste auszeichneten, und werwollte das nicht ehren und bewahren? Aber dieß findetman, Gott Lob! in allen Ständen, und aus den unterstenselbst sind oft die größten Wohlthäter des menschlichen Ge-schlechts hervorgegangen. Aeußere glückliche Lagen und Vor-züge kann man erben, aber innere persönliche Würdigkeit,worauf am Ende doch Alles ankommt, muß Jeder für sichund seine eigene Person durch Selbstbeherrschung erwerben.Ich danke Ihnen, liebe Frau Majorinn, daß Sie mir Gele-genheit gegeben haben, diese, wie ich glaube, für's Leben nichtunwichtigen Gedanken unbefangen auszusprechen und wünsche