Druckschrift 
2,1 (1844)
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sich; die durch- und weithin tönenden Pauken und Trom-peten machen eine feiernde Pause; Tausende schauen ausFenstern und von den Dächern herab; Aller Augen sindnur auf Sic, die Königinn des Festes, gerichtet, und Allekönnen nun den Blick nicht mehr von Ihr wegwenden. Eingroßer Kreis hübscher Kinder, Töchter der Bürger, geschmücktmit der Farbe der Unschuld und Liebe und den Kränzen derHoffnung, umgiebt die Königliche Braut. Eins von diesenlieblichen Mädchen tritt näher zu Ihr hin und spricht unterUeberrcichung einer blühenden Myrtenkrone ein einfaches,gemüthvolles Bewillkommnungsgedicht und spricht es ver-nehmlich im Ausdrucke der Empfindung, der Anmuth undLiebe. Freudig bewegt und gerührt nimmt die Prinzessinn diebräutliche Krone an; Sie folgt der Stimme, dem AndrängeIhres Liebe und Dank athmcndcn Herzens; Sie kann nichtanders, Sie umarmt das liebliche Kind, drückt es an sich,und küßt Mund, Stirn und Augen. Die hinter Ihr ste-hende Oberhofmeistcrinn Gräsinn von Voß *) erschrickt und

Die Frau Gräsinn von Voß war eine geistvolle, fein gebildete,an Erfahrung und Menschenkenntnis; reiche, würdige Frau, undganz dazu gemacht, die alten Formen herkömmlicher Hofes-Eti-quctte in ihrer vollen Integrität zu bewahren. Den vollstän-digen Codex derselben, mit allen seinen Codicillcn, hatte sie bisauf die leiseste Schattirung und die feinsten Falten inne und siewachte darüber mit einer Eifersucht, die keine Anomalie dul-den wollte. Dieß ihr, ja man kann sagen, Studium gab ihremganzen Wesen eine feierliche Abgcmcssenhcit, und in dieser warAlles so genau punctirt und limitirt, daß mit ihr vielleicht derletzte Normal-Knix an de» Europäischen Höfen verschwundenist. Der König und die Königinn ließen sich diese Formen ge-fallen, so lange sie das rechte Maß hielten; setzten sich aber,sobald sie beengten, mit leichtem Spott darüber weg. Bei derSchilderung Ihres häuslichen Lebens werden darüber weiterhinheitere Anekdoten vorkommen.