Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
46
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Diese Liebe ist langmüthig und freundlich; sie eifertnicht, treibt nicht Muthwillen und blähet sich nicht. Siestellet sich nicht ungebärdig, sie sucht nicht das Ihre; sieläßt sich nicht erbittern, sie trachtet nicht nach Schaden;sie freuet sich nicht der Ungerechtigkeit, sie freuet sich aberder Wahrheit. Sie verträgt Alles, sie glaubet Alles, sie hof-fet Alles, sie duldet Alles. Die Liebe höret nimmer auf,und sie ist das Größestc."

Solche Liebe ist namentlich jedes Weibes erster, bester,und schönster Schmuck, durch sie wird sie erst ganz Weib;und in ihr und ihrer sanften, beglückenden Herrschaft wurdeLuise ein Muster für alle Frauen, und ein Vorbild fürKöniginnen. So war und blieb Sie; Sie konnte nicht an-ders; reine Menschenliebe war Ihre Natur, Ihr Athem,Pulsschlag und Tact. Weil Sie so war, so war Ihr Alleswichtig, ohne sich je damit wichtig machen zu wollen; demBesten, was Sie sprach und that, legte Sie nie einenbesonderen Werth bei, weil Sie nicht wußte, daß es auchwohl anders sein könne. Allem Acußcren gab Ihr Inneresdie Beleuchtung schmucklos und einfach, und kindliche Unbe-fangenheit blieb Ihr Sie stets begleitender Lebensengcl. Indieser heiteren Unbefangenheit lag Ihre Herrschaft über dieGemüther der Menschen, und von dieser harmlosen ruhigen Hin-gabe, die nur immer das Beste will, glaubt und hofft, gin-gen alle günstigen Eindrücke aus, die Sie fortwährend zurück-ließ, und die Sie gleich Anfangs als Kronprinzessinn beiIhrem feierlichen prachtvollen Einzüge in Berlin, den 22stenDccember 1793, damals 17 Jahre alt, zum Entzücken derganzen Stadt machte.