Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
Seite
45
Einzelbild herunterladen
 

45

und gefällt, als das Anerschaffene. Darin lag es auch, daßIhr Alles wohl anstand, Sie Alles kleidete, und im einfa-chen schmucklosen Hauskleide Sie am Schönsten war. WasSic in Ihrer ganzen Persönlichkeit war, war nicht so sehrein in schönen Formen und Umrissen Ausgeprägtes, als viel-mehr ein Sie Umfließendes, Umschwebendes, in reizender Be-weglichkeit und heiterer Ruhe. Auf Ihrem Angesichte lag derinnere Frieden der innigsten Liebe, zur stillen Wonne Ihreserhabenen Gemahls und Ihrer lieblichen Kinder, und dasallgemeine menschliche Wohlwollen, zur Freude Aller, die Siesahen. Als etwas Psychologisch-Merkwürdiges ist auch vonIhrer nächsten und vertrautesten Umgebung bemerkt, daßin Ihren Gesichtszügen nie die äußeren Zeichen unangeneh-mer leidenschaftlicher innerer Aufregung ausgedrückt waren;und doch war der Ton Ihrer Farbe, wenngleich blaß, belebtdurch Ihren Blick, warm und frisch. Alles kam bei Ihraus dem Gemüthc und erhielt lind bewachte in dieser reinenund reichen Quelle die sich immer gleichbleibende milde Freund-lichkeit in jeder wechselnden Umgebung. Die Lauterkeit undWahrhaftigkeit einer solchen harmonischen Gemüthsstimmungwurde besonders sichtbar, wenn Sie mit hohen Personen,Fürsten und Gesandten, sich unterredete, dann in der vollenWürde einer Königinn; und während Sie so sprach, dochauch gleichzeitig dem Diener, der das verlangte Glas Wasserreichte, aufs Freundlichste dankte, als für eine empfangeneWohlthat. Das eben ist der herrliche, unaussprechliche Se-gen der innern Lauterkeit, Wahrheit und Wahrhaftigkeit, daßsie da, wo sie einmal im Gemüthe ihre Wohnung aufgeschla-gen, in ihrer Aechtheit sich immer gleich bleibt und Grund-ton wird, der nun in Allem, auch dem Kleinsten, rein durch-klingt und dem Leben die Weihe der Liebe giebt.