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Neid verstummen; unbewußt zieht sie Alles in ihre magi-schen Kreise. Ihr Blick ist klar, offen, ruhig und innig;ihre Sprache einfach und bestimmt; ihre Zusage fest; gernfreuet sie sich mit den Fröhlichen, sie kann aber auch wei-nen mit den Weinenden, und darum hat ihr Angesichtbei aller Lcbensfrischc doch auch den leisen Anhauch ei-ner sanften Wehmuth, und in Stunden der Andacht densprechenden Zug der Sehnsucht. Der Ausdruck, der ihr gan-zes Sein und Wesen umgicbt, ist der des rein Menschlichen,in welchem das Bewußtsein der Abhängigkeit von einer hö-hcrn Macht sich als Dcmuth abspiegelt, die im Besitze undGenüsse des Glückes und seiner Vorzüge eine gewinnendeAnmuth mit sich führt. In ihrer Nähe fühlt man sich an-gezogen und wohl, wie in der Nähe eines lieblichen unschul-digen Kindes; aber mehr noch, als dessen Unschuld, ist solcheUnbefangenheit, denn sie ist die bewahrte Unschuld in errun-gener reiner Herzensbildung und Veredlung.
Diejenigen, welche von den jetzt noch lebenden Zeitge-nossen die Königinn Luise persönlich gekannt und ihr nahegestanden haben, mögen sagen, ob in dieser psychologischenEntwicklung des Gemüthszustandcs, den wir mit dem Namen„Unbefangenheit" bezeichnen, das Bild der Verklärtengetroffen ist! — und es leidet keinen Zweifel, sie werden esnoch unter dem Original finden. Denn Alle, welche insolcher Schilderung Ucbcrtrcibung und die Auflegung frem-der Farben sehen wollen, mögen bedenken, daß die Vollendetesolche Vorzüge in einem ungewöhnlich reichen Maße vonder Natur empfangen hatte. Im Schmucke der Anmuthund Schönheit wurde Ihr Alles leicht, wgs Anderen, ebensoWürdigen, aber äußerlich weniger Begünstigten, schwer wird,und durch Mühe grundsätzlich angeeignet, doch nie so gelingt