Druckschrift 
2,1 (1844)
Entstehung
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ten Befangenheit eigen, daß man, täuschend und getäuscht,nie weiß, wie man daran ist; und das ist noch der besteFall, in welchem, mit Artigkeit abgespeist, man wenigstenssein Urthcil suspendirt; der schlimmere und gewöhnliche istder, daß man das Vertrauen verliert und endlich aufgiebt,weil jede fortgesetzte und rafsinirte Befangenheit zugleich auchVerschlagenheit, oft eine hinterlistige, ist.

Die wahre Unbefangenheit bedarf keiner Apparate, kei-ner Hülssmittel, keiner Kunst, keiner Schminke, keines Schei-nes, keiner schmückenden Farbe; gerade ihre harmlose heitereHingabe in edler Einfalt ist ihre Natur und Lust, in der sieist und athmet, nichts scheinen will, und selbst nicht weiß,was sie besitzt, und eben darum allgemein gefällt, weil sie esnie darauf anlegt, zu gefallen. Nur reiner Absichten sichbewußt, hat sie nichts zu verbergen und zu verstecken; siekann sich jedesmal rein, klar und ganz aussprechen, und siethut das am Liebsten überall da, wo sie fühlt, daß sie er-kannt und verstanden wird. Sie glaubt an die Würde, denEdelmuth und die Pcrfectibilität der menschlichen Natur:darum nähert sie sich jedem Menschen mit den milden Ge-fühlen der Achtung und des Vertrauens und gewinnet indieser geistigen Annäherung jedes Herz, das für solche An-klänge Saiten hat. Bei der allen zartsinnigen Seelen eigcn-thümlichen schamhaften Scheu, läßt sich die Unbefangenheitdoch durch nichts einschüchtern; denn Arglosigkeit ist die stilleMacht, die sie in den beherrschenden Mittelpunkt aller Ver-hältnisse und Umgebungen führt. Dem Fernen tritt sie nahe,dem Unbekannten ist sie wie längst bekannt. In der Fremdeist sie wie zu Hause; denn sie bringt überall ein Herz vollLiebe mit. Der Beobachter vergißt alle Kritik, Tadel und